Die Hilfsorganisation Apotheker ohne Grenzen (AoG) bekommt die sinkende Apothekenzahl zu spüren. Apotheken und ihre Inhaber:innen seien eine „große und wichtige Klientel“, sagt der erste Vorsitzende, Jochen Wenzel. Merklich sei auch die gesunkene Spendenbereitschaft durch die wirtschaftliche Belastung der Betriebe. Gleichzeitig sei der Bedarf an Hilfe in der Welt groß. Im vergangenen Jahr wurden mit rund 2,1 Millionen Euro Projekte im In- und Ausland unterstützt.
Apotheker ohne Grenzen erlebt herausfordernde Zeiten. Finanzielle Mittel würden gekürzt und regionale und globale Krisen nähmen zu, so Wenzel. Die Spendenbereitschaft der Apotheken etwa stehe unter anderem wegen der Ertragssituation der Apotheken unter Druck. Betriebe befänden sich mitunter in wirtschaftlicher Notlage, sagt er. „Und wenn die Apotheken sparen müssen, ist es absolut verständlich, dass die Kolleginnen und Kollegen nicht beim Personal oder den notwendigen Investitionen für die Apotheke sparen, sondern drei Mal darauf schauen, ob sie Geld zum Spenden übrighaben.“
Dazu kämen finanzielle Einschnitte beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das in den vergangenen beiden Jahren die finanziellen Mittel für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit um über 1 Milliarden Euro gekürzt habe. „In den USA wurde vor knapp einem Jahr die Entwicklungsbehörde USAID geschlossen. Auch Länder wie Frankreich oder Großbritannien sparen in diesem Bereich massiv. Das führt dazu, dass viele Projekte, gerade im globalen Süden nicht mehr finanziert werden können, was wiederum dazu führt, dass Organisationen wie Apotheker ohne Grenzen deutlich mehr Anfragen zur Unterstützung von Projekten bekommen.“
Größere Projekte gebe es aktuell in Buenos Aires, der Ukraine und seit dem vergangenen Jahr in Syrien. Diese seien „mit sehr vielen lokalen Herausforderungen inklusive einer prekären Sicherheitslage verbunden“. Es gebe diverse Projekte, zu denen die Helfenden aufgrund der Sicherheitslage nicht selbst reisen könnten. „Dazu gehören unsere Projekte in Haiti, im Libanon und leider immer noch in der Ukraine. Die Lage in Haiti ist kaum in den deutschen Medien vertreten und daher nicht in der öffentlichen Wahrnehmung.“
Insgesamt führten die vielen internationalen Krisen zu starken Fluchtbewegungen, wodurch der Bedarf sehr groß sei. „Das merken wir unter anderem in unseren Projekten in Griechenland, in Burundi und im Mittelmeerraum. Unser Projekt in Gaza war von extremen Bedingungen begleitet und Hilfe nur sehr schwer möglich.“ Auch hierzulande ist die Organisation aktiv: Im Ahrtal etwa ist AoG am Bau einer Containerräumlichkeiten für Psychotherapeut:innen beteiligt. In Berlin wird die Stadtmission zur Verbesserung der pharmazeutischen Versorgung von Obdachlosen unterstützt.