Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

ADHS: Die Krankheit im Erwachsenenalter dpa, 16.05.2018 11:30 Uhr

München/Essen - Eigentlich geht es Stefan Ziegler gut. Der 36-Jährige hat eine schöne Wohnung in einem angesagten Viertel in München, einen guten Job – und er wird bald Vater. Von außen betrachtet führt Ziegler ein Leben, das sich kaum von dem anderer Mittdreißiger unterscheidet. Und doch ist er in manchen Dingen anders als andere. Der Münchner hat ADHS, die sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Das war schon als Kind so. „Aber erst, als ich 24 Jahre alt war, ist die Diagnose gestellt worden.“

So wie ihm ergeht es vielen: Sie sind bei der Arbeit schnell ablenkbar, können sich schlecht selbst organisieren und sie sind ungeduldig und emotional instabil. Aber dass sich hinter solchen und anderen Symptomen ADHS verbirgt, wird oft verkannt. „Selbst in Fachkreisen wird die komplexe psychiatrische Erkrankung nicht hinreichend wahrgenommen“, sagt Diplompsychologe Johannes Streif vom Verein ADHS Deutschland – Selbsthilfe für Menschen mit ADHS. Deshalb gibt es auch keine verlässlichen Zahlen. Schätzungen zufolge haben in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen ADHS, ohne es zu wissen.

Etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren sind von ADHS betroffen. Ein Teil von ihnen - laut Schätzungen sind es mindestens 60 Prozent – zeigt ADHS-Symptome auch noch im Erwachsenenalter. So wie Stefan Ziegler.

„Zerstreuter Professor“ nennen ihn andere oft. Er ist klug und belesen, aber eben auch vergesslich. Er hält Termine nicht ein, vergisst selbst Geburtstage von engen Freunden. „Mir ist es schon passiert, dass mir jemand etwas sehr Persönliches anvertraut hat und zwei Wochen später habe ich es vergessen“, sagt Ziegler. Das sei für den anderen sehr kränkend gewesen.

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