Keine Angst vor Ritalin & Co.

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Berlin - Kinder mit ADHS sind nicht immer gleich: Während Mädchen häufig eher verträumt sind, können die Jungen nicht stillsitzen. Je nach Lebensphase muss die Behandlung gut auf den Patienten abgestimmt werden. Dabei ist es wichtig, die therapeutische Gesamtstrategie und die verschiedenen Darreichungsformen im Blick zu behalten.

Fall: Der Vater einer kleinen Patientin von 5 Jahren löst ein Rezept über Methylphenidat 5 mg ein. Seine Tochter wurde vor wenigen Monaten mit ADHS diagnostiziert. Das Kind sei immer schon sehr verträumt gewesen, es vergesse häufig in kurzer Zeit, was es gerade tun wollte, berichtet er. Das Mädchen sei beispielsweise nicht in der Lage, sich selbstständig in einer angemessenen Zeit anzuziehen. Versuche, über Änderungen des Tagesablaufes mit klaren Strukturen eine Besserung herbeizuführen, hätten bislang nichts genützt. Jetzt soll mit Medikamenten nachgeholfen werden. Der Vater ist besorgt, die Tochter sei doch noch klein, ob man da direkt mit starken Medikamenten nachhelfen müsse? Er hat viel über Missbrauch der Arzneimittel gehört. Außerdem ist er ratlos, wie die Tabletten regelmäßig verabreicht werden können. Der Arzt hat jeweils eine Tablette morgens nach dem Frühstück und eine um 12 Uhr verordnet. Das Kind ist aber in der Tagesbetreuung, da die Eltern berufstätig sind, die Gabe der zweiten Dosis stellt sie daher vor Probleme.

Analyse: ADHS bei Kindern kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei Jungen ist vor allem das sogenannte „Zappelphillip-Syndrom“ bekannt. Die Kinder haben Schwierigkeiten, stillzusitzen und sich ruhig mit Dingen zu beschäftigen. Bei Mädchen tritt eher der „verträumte Typ“ auf. Konzentrationsstörungen sind immer zu beobachten, „Träumer“ fallen aber im sozialen Umfeld deutlich weniger auf und erzeugen in der Familie weniger Spannungen. Eine medikamentöse Therapie wird seltener als notwendig angesehen – bei korrekt diagnostizierter Krankheit ist die Gabe von Methylphenidat aber für beide Typen sinnvoll und bewirkt eine Besserung der Symptome.

Insbesondere bei kleinen Kindern wird in der Regel zunächst versucht, über Verhaltenstherapie eine Besserung herbeizuführen. Methylphenidat ist erst ab einem Alter von sechs Jahren zugelassen. Ärzte haben aber die Möglichkeit, bei schweren ADHS-Fällen die Medikation auch schon früher – dann aber off-label – zu verordnen. Dennoch muss zuerst eine Therapie ohne Arzneimittel versucht werden.
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