Repetitorium Morbus Crohn

Azathioprin: Warten auf die Wirkung Dr. Kerstin Neumann, 18.03.2016 14:29 Uhr

Berlin - Morbus Crohn ist eine schwierige Krankheit mit hohem Leidensdruck für die Patienten. Als Goldstandard gilt die Gabe von Prednisolon im akuten Schub. Oft wird auch Azathioprin verordnet, um die langfristigen Nebenwirkungen des Kortison-Präparates in den Griff zu bekommen. Die Produkte sind beratungsintensiv, denn ihre Wirkung tritt erst nach einigen Monaten auf. Vor allem zu Beginn ist es daher wichtig, die Patienten zu motivieren, die Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Fall: Ein junger Mann von etwa 25 Jahren kommt in die Apotheke und löst ein Rezept über Prednisolon 50 mg ein. Er leide seit einem knappen Jahr unter Morbus Crohn. Zunächst habe er seine Schübe mit dem Kortikoid gut unter Kontrolle halten können. Vor vier Wochen habe der Arzt die Dosis herabgesetzt und zusätzlich ein anderes Mittel mit Namen Azathioprin verordnet. Das helfe aber gar nicht, klagt der Kunde. Er habe daher wieder um die vorherige Medikation gebeten, allerdings habe er gehört, dass Kortison langfristig schwere Nebenwirkungen hervorrufe. Das mache ihm Sorgen. Auf Nachfrage erzählt er, dass er keine anderen Medikamente regelmäßig einnehme, nur ab und zu Paracetamol gegen Kopfschmerzen. Der Arzt habe ihm von Ibuprofen abgeraten, die Paracetamol-Tabletten seien allerdings manchmal nicht ausreichend. Im Akutfall nehme er 500 mg.

Analyse: Der Kunde hat ein gutes Verständnis seiner Krankheit und weiß, dass er Medikamente regelmäßig einnehmen muss. Wenn die Kortikoid-Therapie nicht ausreicht, wird gerne der Wirkstoff Azathioprin verordnet. Als Standardosis pro Tag gilt 2 mg pro kg Körpergewicht. Wichtig zu wissen dabei ist aber, dass die Wirkung erst nach etwa drei bis sechs Monaten einsetzt. Es ist daher nachvollziehbar, dass der Kunde die Wirkung nach vier Wochen noch nicht merkt. Eine Erniedrigung der Prednisolon-Dosis könnte daher etwas zu früh erfolgt sein. Möglich ist auch, dass das Kortison-Präparat nicht mehr so gut wirkt wie zu Beginn, der Patient also therapierefraktär geworden ist. Nach einer Behandlung über einige Monate ist das aber unwahrscheinlich.

Schmerzen sollten bei Patienten mit Morbus Crohn keinesfalls mit Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure behandelt werden, da diese zusätzliche Beschwerden bis hin zu Blutungen im Darm hervorrufen können. Paracetamol ist in diesem Fall die richtige Wahl, allerdings nimmt der Kunde im Akutfall eine relativ niedrige Dosis ein.
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