Die insolvente Versandapotheke Sanicare ist verkauft. Für das Versandgeschäft ist ein Investor gefunden worden. Die Vor-Ort-Apotheken in Bad Laer werden weiterhin von den Gesellschaftern Christoph Bertram und Heinrich Meyer geführt.
Der Webshop von Sanicare war zwischenzeitlich mehrere Tage nicht erreichbar. Die Begründung: „Wir bauen um“, heißt es auf der Seite. „Wir arbeiten gerade an etwas Neuem und richten alles mit viel Sorgfalt für dich ein. Ab dem 2. November findest du hier wieder deine gewohnten Produkte, eine sichere Bestellung und Menschen, die sich Zeit für deine Fragen und Gesundheit nehmen. Danke für deine Geduld und Treue.“ Als Dankeschön soll es direkt einen 10-Euro-Gutschein geben, der im November eingelöst werden kann.
Der Webshop sollte am Montag wieder zur Verfügung stehen. Zwischenzeitlich wurden die Kundinnen und Kunden für dringende Bestellungen an die Vor-Ort-Apotheken und den Notdienst verwiesen.
Die Pause beim Internetshop lag am Verkaufsprozess: „Das hing damit zusammen, dass er auf die neue Infrastruktur des Investors umgestellt wurde“, sagt Hans Fritsche. Der Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht von der Kanzlei Buchalik Brömmekamp Rechtsanwälte (BBR) berät Sanicare im laufenden vorläufigen Insolvenzverfahren. Wer der Käufer ist, wollte er auf Nachfrage nicht verraten, da die Zustimmung des Gläubigerausschusses noch aussteht. Laut Informationen von APOTHEKE ADHOC soll es sich um einen Investor aus Deutschland mit Erfahrung im Apothekenmarkt handeln.
Den Verkauf des Versandgeschäfts und die Sicherung der beiden Vor-Ort-Apotheken bewertet Fritsche positiv. „Das ist ein Erfolg.“ Insgesamt habe es rund zehn Interessenten gegeben. Die Dachmarke Sanicare bleibe bestehen und solle langfristig fortgeführt werden. In den stationären Apotheken verbleiben bei Bertram und Meyer rund 30 Angestellte. „Es fällt vor Ort keine Apotheke weg.“
Seit Mitte Juli befindet sich die BS-Apotheken OHG im vorläufigen Insolvenzverfahren. Die finanzielle Schieflage hatte sich bereits länger abgezeichnet. Insgesamt beliefen sich die Verbindlichkeiten auf rund 14 Millionen Euro.
Fritsche zufolge war insbesondere das Firmengeflecht ineffizient und sollte aufgelöst werden. Die Unternehmen wurden etwa für die Versandabwicklung, den Einkauf, den Betrieb des Online-Shops oder die Buchhaltung betrieben. Auch der Webshop sei IT-seitig in Teilen veraltet gewesen.
Bertram und Meyer würden weiterhin während der Insolvenz begleitet. Das nächste Ziel sei die Erstellung eines Insolvenzplans, um das Verfahren zu beenden.
Insgesamt gehörten zur Gruppe 225 Beschäftigte, davon 70 pharmazeutische Fachkräfte. Die Kundenzahl liegt bei rund 1,6 Millionen Menschen.