Zuzahlungserlass war gestern, die Versender weiten ihren Wettstreit um Rx-Kunden auf andere Lebensbereiche aus. Verluste spielen keine Rolle, solange nur die Wachstumsstory intakt bleibt.
Im Versandhandel ist ein ruinöser Wettbewerb ausgebrochen. Denn auch das E-Rezept ist kein Selbstläufer – anders als seit Jahren prophezeit, kommen die Kundinnen und Kunden keineswegs von ganz alleine. Gerade einmal 300.000 Neukunden kann Shop Apotheke seit Einführung des Zuzahlungsrabatts verkünden. Nicht gerade viel, wenn man die Kosten bedenkt. Da können die Manager noch so oft behaupten, dass der gute Service ihres Hauses das entscheidende Kriterium sei.
Bereits seit einem halben Jahr spendiert DocMorris die komplette Zuzahlung; jetzt musste Shop Apotheke schlussendlich nachziehen: Zumindest beim ersten E-Rezept müssen die Patientinnen und Patienten keinerlei Eigenbeteiligung leisten.
Doch jeder noch so gute Rabatt nutzt sich irgendwann ab, das muss man auch hinter der niederländischen Grenze irgendwann einsehen. Noch gibt es bei den Versendern die Hoffnung, dass die Erhöhung der Zuzahlung zum Jahreswechsel ihnen neue Klientel in die Arme treibt. Doch schon jetzt bereiten sich die Marketingabteilungen auf ein Eskalationsszenario vor.
Zuzahlungserlass war gestern, die Versender weiten ihren Wettstreit um Kundinnen und Kunden auf andere Lebensbereiche aus. Verluste spielen keine Rolle, solange nur die Wachstumsstory intakt bleibt.
Den Anfang macht abermals DocMorris: „Jetzt E-Rezept einlösen und Tankrabatt sichern“ – hier hat sich der Konzern ein aktuell besonders sensibles Thema für seine nächste Rabattaktion ausgesucht. Shop Apotheke setzt einen obendrauf: „Wir übernehmen Deine Monatsmiete“, wirbt der Konzern in Metropolen wie München, Frankfurt und Berlin. Aber da hatte Apo.com schon weiter gedacht: „Einkommensteuer geschenkt“, hat sich der Versender eine bekannte Aktion von Mediamarkt abgeguckt: Wer ausnahmslos jedes einzelne E-Rezept nach Duiven schickt, muss sich um seine Steuererklärung keine Sorgen mehr machen.
Die deutschen Versender versuchen, den fehlenden Wettbewerbsvorteil durch Sachleistungen wettzumachen. Sie werben damit, unangenehme Pflichten zu übernehmen: Mycare entlastet junge Eltern bei der Geburtstagsfeier ihrer Kinder. Und Aponeo übernimmt bei Eheleuten das Geburtstagsessen mit der Schwiegermutter.
Sanicare will mit einem Angebot für den ländlichen Raum punkten. Unter dem Motto „Gesundheit für dich, Handwerker für dein Haus“ garantiert der Versender bei Einreichung von mindestens drei E-Rezepten innerhalb von 24 Stunden das Erscheinen eines voll ausgebildeten Heizungsbauers – inklusive Ersatzteil und ohne dreijährige Wartezeit.
Die EU-Kommission klatscht in die Hände. Nicht nur, dass die Versender weiter tapfer das Fähnlein des Binnenmarkts schwingen – ihre ausufernden Bonusprogramme wirken branchenübergreifend als regelrechtes Konjunkturprogramm. Zum ersten Mal seit mehreren Jahren kann die EZB den Leitzins senken, und auch im Finanzministerium freut man sich: Der Start der Aktienrente ist dank des unersättlichen Appetits der Versender nach frischem Kapital auf absehbare Zeit gesichert. In diesem Sinne: Schönes Wochenende!
APOTHEKE ADHOC Debatte