Shop Apotheke: Zenit erreicht?

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Berlin -

Wachstum ist die Währung an der Börse, doch diesbezüglich hat Shop Apotheke aktuell nicht viel Positives zu vermelden. Zumindest in Deutschland scheint der Zenit erst einmal erreicht zu sein. Ohne das E-Rezept wird es schwer, an die Erfolge aus der Vergangenheit anzuknüpfen – zumal es mittlerweile ganz neue Konkurrenz gibt.

Wenn der Vorstand eines Unternehmens seine aktuellen Umsatzzahlen plötzlich mit dem vorangegangenen Quartal statt dem des Vorjahres vergleicht, sollte man hellhörig werden. So geschehen bei Shop Apotheke: „Umsatz- und Kundenwachstum im vierten Quartal deutlich beschleunigt“, vermeldet der Versender und meint damit eigentlich, dass es besser gelaufen ist als in den drei Monaten zuvor.

Bei näherer Betrachtung sprechen die Zahlen eine ganz andere Sprache: Die Erlöse wuchsen zwar im Gesamtjahr um 9,5 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro – angepeilt waren aber ursprünglich 20 Prozent, dann 15 Prozent und zuletzt noch 10 Prozent. Es fehlen also streng genommen 5 Millionen Euro selbst zur gekürzten Prognose. Vor allem aber: Zwei Drittel des Umsatzwachstums von 92 Millionen Euro steuerte das Ausland bei. In Deutschland/Österreich als wichtigstem Segment legten die Verkäufe gerade einmal um 3,9 Prozent zu. Und hier war auch nur der Jahresauftakt wirklich positiv, danach ging es teilweise sogar bergab:

  • 1. Quartal: 231 Millionen Euro, plus 14,9 Prozent
  • 2. Quartal: 198 Millionen Euro, plus 4,2 Prozent
  • 3. Quartal: 189 Millionen Euro, minus 6 Prozent
  • 4. Quartal: 229 Millionen Euro, plus 2,2 Prozent

Während das erste Halbjahr also noch ein Wachstum von 9,7 Prozent aufwies, waren die Erlöse im zweiten Halbjahr um 1,5 Prozent rückläufig. Diese Entwicklung hat zwei wesentliche Ursachen: Zunächst war man in Sevenum konfrontiert mit „Kapazitätsengpässen in der Auftragsabwicklung im Zusammenhang mit einer angespannten Arbeitsmarktsituation, welche sich im Laufe des zweiten Quartals deutlich abzeichnete“. Diese seien aber „ein temporäres und isoliertes Ereignis, das die zukünftigen Wachstumsperspektiven nicht beeinträchtigt“, hieß es im Juli.

Rx-Geschäft bricht ein

Und dann war da noch das Problem im Rx-Geschäft: Um 35 Prozent auf 143 Millionen Euro gingen die Umsätze in diesem Bereich zurück. Weil Rx-Boni Ende 2020 verboten wurden, schickten weniger Kund:innen ihre Rezepte ein – 76 Millionen Euro fehlten im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig ließ das E-Rezept auf sich warten. Die Absage der verpflichtenden Einführung kommt für Shop Apotheke einer Katastrophe gleich.

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