Sanicare ist verkauft. Dirk Düvel sicherte sich die Domain und die Markennutzungsrechte des zahlungsunfähigen Betriebs von Christoph Bertram und Heinrich Meyer. Die Verhandlungen innerhalb eines Insolvenzverfahrens seien komplex gewesen, sagt er. Ein Grund für die Übernahme war eine ähnliche Kundenstruktur wie bei seiner Versandapotheke Besamex.
Düvel übernahm die verschiedenen Dachmarken wie Sanicare, Aliva und Homöopathiefuchs. Künftig werden die Kunden von Marschacht aus beliefert. Der Apotheker eröffnete dort 2018 eine neue Versandabteilung als Teil seiner Apotheke. Nach dem Kauf und der Integration in die eigene IT fühlt er sich „erschöpft“. „So eine Verhandlung innerhalb eines Insolvenzverfahrens ist aufreibend. Man hat mit verschiedenen Akteuren zu tun –Sachwaltern, begleitende Insolvenzanwälte und das Gericht.“
Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens habe er einen rechtssicheren Vertrag schließen können. „Es handelt sich nicht um eine Betriebsfortführung“, betont er. Aktuell könnten die bestehenden Kundinnen und Kunden entscheiden, ob ihre Daten überführt würden. „Dafür haben wir ein datenschutzrechtlich gutes Konstrukt erarbeitet. Die bestehenden Kunden sind beim Einloggen informiert, sie werden darauf hingewiesen und müssen aktiv zustimmen. Wir haben jetzt schon eine ganze Reihe sehr zufriedener Kunden.“
Wie viele Kundinnen und Kunden übernommen werden könnten, wollte er nicht kommentieren. Wie bei seiner Versandapotheke Besamex handele es sich um „viele treue Stammkunden, die auch telefonisch bestellen und sich beraten lassen“. Sie seien nicht nur auf Schnäppchen und einen einmaligen Klick aus. „Es sind nicht typische Online-Kunden, sondern typische Telefonkunden.“
Wie Sanicare bot Besamex auch lange ein Kataloggeschäft an. „Die Kundenstruktur ist ähnlich, deshalb war Sanicare interessant. Im ersten Schritt wollte ich aber den Betreibenden helfen.“ Düvel freut sich, dass die Apotheker Christoph Bertram und Heinrich Meyer „eine Chance haben, weiter selbstständige Apotheker sein zu können. Das ist ein guter Abschluss für alle.“
Den Kundenzuwachs könne er stemmen. „Das können wir absolut abbilden.“ Das Lager sei zu 95 Prozent automatisiert. Wie hoch das zusätzliche Aufkommen sein könnte, wollte er nicht kommentieren. „Ich freue mich über jeden, der kommt.“ Gerade über die Kundinnen und Kunden, die sich gut beraten ließen. Nach eigenen Angaben betreibt Düvel keine Online-Apotheke, sondern eine Versandapotheke beziehungsweise eine „Long distance pharmacy“. Bei Besamex gebe es einen hohen Rx-Anteil, auch wegen eines hohen Teils an Spezialanfertigungen. „Es ist nicht das typische Versandgeschäft.“
Ein Ziel nach der Sanicare-Übernahme sei, das Geschäft zu konsolidieren und die Marken zur Kundenzufriedenheit zu führen. Wie künftig mit dem „relativ starken“ Amazon-Geschäft von Homöopathiefuchs verfahren werde, sei noch unklar. Mit Besamex sei er dort „relativ wenig“ vertreten. „Das ist nicht unser Kerngeschäft, wir setzen auf direkten Kundenkontakt.“
Die Zahl der pharmazeutischen Mitarbeiter im Versand liege bei 50 Angestellten für Telefonhotline und Endkontrolle. Dazu kämen 50 Mitarbeitende für den Versand von Sterilherstellungen. Insgesamt beschäftigt Düvel rund 200 pharmazeutische Fachkräfte und betreibt drei Vor-Ort-Apotheken.
Insgesamt sei der rechtliche und wirtschaftliche Rahmen für deutsche Apotheken, die Versandhandel betrieben, extrem anspruchsvoll. Das führe zu einer starken Konsolidierung des Marktes. „Wir beobachten ein verändertes Einkaufsverhalten. Es gibt ein wesentlich stärkeres Plattformgeschäft. Gleichzeitig gibt es insgesamt eine Kaufzurückhaltung im gesamten Apothekenwesen.“ Die Packungen gingen nicht alle nach Holland. Seit der Einführung des E-Rezepts würden zudem weniger unnötige Verordnungen ausgestellt.