Impfstoffe

Sanofi Pasteur und MSD trennen sich

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Berlin -

Sanofi und MSD Sharp & Dohme wollen beim Vertrieb von Imfpstoffen nicht mehr zusammenarbeiten: Das Joint Venture Sanofi Pasteur MSD soll noch bis Ende des Jahres aufgelöst werden. Die Vakzine gehen dann in das Portfolio des jeweiligen Herstellers über.

Das Joint Venture wurde 1994 aufgebaut, um gemeinsam Impfstoffe zu entwickeln und in Europa zu vermarkten. Sanofi und MSD gehören jeweils 50 Prozent des Unternehmens. Künftig wollen beide Hersteller ihr Impfstoff-Portfolio eigenständig verwalten und auf diese Weise ihre Marktposition verbessern, effizienter arbeiten und die Versorgung optimieren. Außerdem sollen Impfstoffe schneller auf den Markt gebracht werden.

Sanofi Pasteur MSD hat rund 20 Impfstoffe im Angebot und setzte im vergangenen Jahr 824 Millionen Euro um, davon rund 200 Millionen Euro in Deutschland. Die Vakzine sollen nun zwischen den beiden Herstellern aufgeteilt werden: Jedes Unternehmen erhalte die Impfstoffe, die es ursprünglich entwickelt habe, erklärt ein Sprecher von Sanofi.

An MSD gehen demnach die Vakzine gegen HPV (Gardasil), Gürtelrose (Zostavax), Rotaviren (Rotateq) sowie Masern, Mumps und Röteln (MMR Vax Pro). Die Kombinationsimpfstoffe für Kinder, Erwachsenenimpfstoffe und die Reiseimpfungen kommen künftig von Sanofi Pasteur, der Impfstoffsparte von Sanofi: Pentavac, Hexyon, Stamaril, Vaqta, Viatim, Hb Vax Pro, IPV Merieux, Pneumovax, Td Merieux, Revaxis, Repevax, Tetanus Merieux, der Tollwut-Impfstoff HDC, Typhim Vi und Varivax.

Lieferengpässe hatte es zuletzt vor allem bei den künftigen Sanofi-Pasteur-Impfstoffen gegeben: Hexyon, Pentavac, IPV Merieux und Viatim. Bei Repevax und Vaxigrip waren zudem einzelne Packungsgrößen nicht verfügbar. Engpässe gab es zuvor auch beim Tollwut-Impfstoff HDC sowie bei Typhim Vi und Vaqta.

Der Grippeimpfstoff (Vaxigrip) geht ebenfalls an Sanofi Pasteur. Für die kommende Grippesaison hat das Joint Venture Sanofi Pasteur MSD bereits Zuschläge in vier Bundesländern erhalten: Hamburg, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen. In dieser Saison lieferte das Unternehmen den Grippeimpfstoff für Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Marktrücknahmen soll es im Zuge der Abwicklung nicht geben. Der Sanofi-Sprecher geht sogar davon aus, dass es künftig mehr Vakzine geben wird – beide Unternehmen hielten den Impfstoffmarkt für essentiell und wollten auch weiterhin Produkte entwickeln.

Im Impfstoff-Geschäft war zuletzt viel Bewegung: Im Frühjahr 2014 kündigten Novartis und GlaxoSmithKline ein Tauschgeschäft an – die Impfstoffsparte des Schweizer Pharmakonzerns gegen die Krebsmedikamente des britischen Herstellers. Für die Novartis-Impfstoffe zahlte GSK 7,1 Milliarden US-Dollar.

Die Grippeimpfstoffe waren nicht Teil des Paketes. Sie gingen im Herbst 2014 für 275 Millionen Dollar an den australischen Hersteller CSL und wurden in das Tochterunternehmen bioCSL integriert. Der Hersteller konnte sich in Ausschreibungen für die kommende Grippesaison bereits Zuschläge in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sichern. In allen sechs Bundesländern erhielt Mylan einen Zuschlag. Der US-Generikahersteller hatte den Grippeimpfstoff 2014 von Abbott übernommen.

Im Sommer 2014 hat Baxter seinen FSME-Impfstoff und Neisvac gegen Meningokokken C für 635 Millionen Euro an Pfizer verkauft. Baxter wollte sein Portfolio optimieren. „Wir richten Ressourcen neu aus und investieren in unsere robuste Pipeline in Kernbereichen unserer Expertise – Hämatologie und Immunologie – und durch Technologieplattformen wie Gentherapie und Biosimilars“, hieß es.

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