Kritische Werbung mit Krankengeschichte | APOTHEKE ADHOC
Urteil gegen Heilpraktiker

Kritische Werbung mit Krankengeschichte

, Uhr
Berlin -

Werbung mit Behandlungserfolgen ist zwar für Heilberufler eine verführerische Option, allerdings sind die rechtlichen Grenzen eng. Das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) hat jetzt einem Heilpraktiker verboten, mit den Krankengeschichten seiner Patient:innen zu werben.

Der Heilpraktiker hatte in einer Anzeige für seine Spritzentherapie gegen Arthrose geworben. Im Mittelpunkt stand die erfolgreiche Behandlung eines Patienten. Die Überschrift lautete „Schmerzfrei nach vielen Jahren furchtbaren Leidens“. Der Patient schilderte in der Anzeige seinen circa 20 Jahre langen Leidensweg. Nach fünf oder sechs Behandlungen durch den Beklagten hätten sich seine Schmerzen bereits spürbar verringert, nach Abschluss der Behandlungsserie sei er beschwerdefrei gewesen.

Die Wettbewerbszentrale hatte darin einen Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) gesehen. Die Werbung sei irreführend, weil fälschlich der Eindruck eines sicheren Erfolges erweckt werde. Denn so wie Krankheiten viele Ursachen haben können, hänge auch die Heilung oder Linderung von vielen Faktoren ab. Im Gesundheitsbereich sei eine Werbung mit pauschalen Erfolgszusagen daher meist unzulässig, so die Wettbewerbszentrale.

Das Landgericht Mönchengladbach hatte die Unterlassungsklage der Wettbewerbszentrale in erster Instanz noch abgewiesen. Begründung: Der Gesetzgeber habe die Werbung mit Krankengeschichten grundsätzlich erlaubt. Allein in der Schilderung eines positiven Ausganges einer Behandlung sahen die Richter noch keine Aussage zu einer generellen Wirksamkeit der Behandlungsmethode.

Das OLG Düsseldorf hat im Berufungsverfahren der Wettbewerbszentrale Recht gegeben. Ob die Anzeige den Eindruck hervorrufe, ein Erfolg sei sicher, hängt den Richtern zufolge Verständnis des adressierten Verbrauchers ab. Eine ausdrückliche Garantie hinsichtlich der Heilung sei nicht erforderlich. Hier könne der Eindruck entstehen, dass der Heilpraktiker selbst scheinbar hoffnungslose Fälle mit der beworbenen Spritzenbehandlung heilen könne. Die Revision wurde vom OLG Düsseldorf nicht zugelassen, dagegen kann der Beklagte noch Beschwerde einlegen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Impfnachweise in Apotheke ausgestellt
Gefälschte Zertifikate: Drei Jahre Haft für PTA »
Falscher Arzt im Impfzentrum
Urteil gegen Hochstapler-Arzt »
Umverpackung als Ultima Ratio
EuGH: Reimport muss nicht gefallen »
Mehr aus Ressort
IT-Probleme bei Großhändler
Wieder Ausfälle bei Gehe »
90 Arbeitsplätze gestrichen
Eurapon: Zur Rose macht in Bremen dicht »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
„Das Virus trifft auf Bevölkerung mit wenig Immunschutz.“
Corona-Experte: China braucht wirksamere Vakzine»
Mehr Antikörper durch bivalentes Vakzin?
Subtyp BQ.1.1: Die „Höllenhund“-Variante»
Plätzchen, Glühwein und Gänsebraten
Fettleber: Adventszeit als Herausforderung»
Kaiserschnitt beeinflusst Mikrobiom
Vaginale Geburt bietet Vorteil»
„So etwas habe ich noch nie erlebt“
1. Advent: Ansturm auf Apothekennotdienst»
Minderwertige Produkte ausgeliefert
Ramsch-Masken: Ermittlungen wieder aufgenommen»
„Pillen-Schock in der Apotheke“
Bild sammelt Lieferengpässe»
Apotheker kämpfen um Gärtnerei
Für PTA und PKA: Der Garten muss bleiben!»
„Aufgaben der PTA werden immer umfangreicher.“
PTA-Förderpreis: 18. Veranstaltung mit starker Resonanz»
Herzinfarkt, Schlaganfall & Nierenschäden
Diabetes als Risikofaktor»
B-Ausgabe November
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Schwangere sind nicht automatisch befreit
Retaxgefahr: Zuzahlung in der Schwangerschaft»
Mehrkosten, Belieferung & Heilung
Retaxgefahr: BG-Rezept»