Enzympräparate

Importverbot für Wobenzym N

, Uhr
Berlin -

Vor mehr als zwei Jahren lief die Zulassung für Wobenzym N als sogenanntes Altarzneimittel aus. Anschließend nahm der Berliner Hersteller Mucos das Enzympräparat zwar in Deutschland vom Markt. Über eine Schwesterfirma wurde es aber weiterhin in den Niederlanden angeboten. Die zuständige deutsche Behörde kritisierte, dass das Produkt auch an Kunden aus Deutschland vertrieben würde und untersagte den Verkauf von Wobenzym N über die niederländische Firma. Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigte diesen Bescheid im Eilverfahren.

 

Nach dem Wegfall der Zulassung wurden die Packungen von der Mucos-Schwesterfirma EAB Enzym-Arzneimittel-Berlin entblistert und neu verpackt. Das Design der niederländischen Packung entsprach dem der deutschen, allerdings mit dem Zusatz „Nahrungsergänzungsmittel“. AAZ-Pharma, eine weitere Schwesterfirma, übernahm den Vertrieb im Nachbarland.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin begründete das Verbot mit dem Internetauftritt von AAZ-Pharma: Die deutschsprachigen Website habe sich an deutsche Verbraucher gerichtet. Der Behörde zufolge brachte Mucos so in Deutschland ein nicht mehr zugelassenes Arzneimittel auf den Markt.

Mucos widersprach: Wobenzym N sei seit Jahren in den Niederlanden als Nahrungsergänzungsmittel verkehrsfähig, das Herstellen und Exportieren des Präparats nicht verboten. Und weil das Präparat als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werde, bestehe keine Gesundheitsgefährung für die deutsche Bevölkerung. Zudem könne das Unternehmen nicht für die Homepage der Schwesterfirma belangt werden.

 

 

Das Verwaltungsgericht Berlin folgte der Argumentation des Herstellers im Eilverfahren nicht: Mucos habe keine Vorkehrungen getroffen, um ein Inverkehrbringen von Wobenzym N in Deutschland zu verhindern. Stattdessen habe die Firma den Reimport über AAZ-Pharma beabsichtigt. Da das Produkt hierzulande aber als Präsentationsarzneimittel einzustufen sei – ausschlaggebend sei die Sicht des Verbrauchers – könne der Import nach Deutschland strafrechtlich sanktioniert werden.

Allerdings bestätigten die Richter das Verbot nicht in vollem Umfang: Falls Mucos sicherstelle, dass das Präparat in den Niederlanden bleibe, dürfe dem Unternehmen nicht der Zugang zum benachbarten Markt abgeschnitten werden. Dabei müsse allerdings auch der Versand durch andere Unternehmen nach Deutschland untersagt werden.

Der Beschluss ist rechtskräftig, ein Termin im Hauptsacheverfahren steht allerdings noch nicht fest. Derweil vertreibt AAZ-Pharma Wobenzym N nicht mehr in den Niederlanden. Auf der Website wird stattdessen für das Nachfolgepräparat Wobenzym plus geworben.

Mucos ist wiederholt für seine Präparate vor Gericht gezogen. Zuletzt wies das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an, erneut über die Nachzulassung für Phlogenzym zu entscheiden.

 

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Namensänderung bei Janssen-Impfstoff
Jcovden: Apotheken können aufklären»
Antikörper dockt an Spikeprotein an
Corona: Universalwaffe gefunden?»
Falsche Werbung und obskure Siegel
Die kleinen Sünden der Krankenkassen»
Empfehlungen für alle Altergruppen
Lauterbach will klare Impfbotschaft»
Schärfere Maßnahmen geplant
Affenpocken: USA rufen Notstand aus»
Per Aufkleber Daten über den Körper
Ultraschallpflaster: Blick ins Innere»
Eine seltene Genmutation erweist sich als Glücksfall.
Weiterer Patient von HIV geheilt»
Antibakterielle Wirkstoffe beeinflussen Antikörper
Antibiotika: Immunantwort bei Babys geschwächt»
Möglicher Zusammenhang zwischen Endometriose und Schlaganfall
Endometriose: Kardiovaskuläres Risiko»
Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit
Long Covid: Kinder leiden nach Infektion»
Sorge um Halteplätze und Teststelle
Apothekerin ärgert sich über Imbisswagen»
Falsche Bescheinigungen gegen Geld
Mutter stiftete Arzt zur Straftat an»
Startschuss für die Influenzasaison 2022/23
Seqirus beginnt mit Auslieferung der Grippeimpfstoffe»
A-Ausgabe August
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»