Wundheilsalbe

Hansaplast: Angriff auf Bepanthen

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Berlin -

Seit etwa neun Jahrzehnten ist Hansaplast (Beiersdorf) aus der Wundversorgung nicht mehr wegzudenken. Die Pflaster aus Hamburg sind in vielen Hausapotheken zu finden. Seit wenigen Wochen gehört nun auch eine Wundheilsalbe zum Sortiment. Der Hersteller verspricht eine schnellere Heilung.

Das vegane Medizinprodukt enthält Panthenol, weiße Vaseline, Paraffin, Ceresin sowie Glycerol und ist zu 20 g erhältlich. Vertrieben wird die Wundheilsalbe „in der Apotheke und ausgewählten Drogerien“. Beiersdorf verknüpft auf der eigenen Website mit dem Apothekenfinder sowie dem Versandhandel. Angezeigt ist das Produkt bei Schnitt- und Schürfwunden, Kratzern sowie kleineren Brandwunden 1. und 2. Grades. Die Salbe kann auf „kleinere, oberflächliche, offene Wunden sowie geschädigte Haut aufgetragen werden“.

Während Arzneimittel pharmakologisch, metabolisch oder immunologisch wirken, können Medizinprodukten rein physikalische Eigenschaften zugesprochen werden. Das Dermatikum bildet einen atmungsaktiven Schutzfilm sowie ein feuchtes Wundheilmilieu und kann laut Beiersdorf so die Wunde vor äußeren Einflüssen und Austrocknung schützen. Im Vergleich zu einer unbehandelten Wunde könne das Medizinprodukt eine „2x schnellere Wundheilung“ hervorrufen und das Risiko für eine Narbenbildung reduzieren. „Panthenol und Glycerin als bekannte Moisturizer befeuchten und unterstützen so das optimale Wundklima“, teilt Beiersdorf mit.

Bayer hat mit Bepanthen Sensiderm und dem Narben-Gel mit Narbenroller ebenfalls Panthenol-haltige Medizinprodukte auf dem Markt; auch die Augentropfen sind entsprechend eingestuft. Bei der Wund- und Heilsalbe, der antiseptischen Wundcreme sowie der Augen- und Nasensalbe steht die wundheilungsfördernde und hydratisierende Wirkung im Vordergrund; die Produkte sind entsprechend als Arzneimittel eingestuft.

Der „erste Schritt für eine optimale Heilung“ sei jedoch eine saubere und gereinigte Wunde. Beiersdorf hat zum März ebenfalls das Wundspray zur antiseptischen Wundreinigung auf den Markt gebracht. Enthalten sind Polyhexanid 0,04 Prozent und Decylglucosid 0,1 Prozent in Ringerlösung. „So ist zum Beispiel ein zusätzliches Tensid zur Unterstützung der Reinigungsleistung enthalten.“ Das Medizinprodukt sei für akute Wunden, wie Schnitt- und Schürfwunden, kleineren Brandwunden 1. und 2. Grades sowie offenen Blasen und chronische oder postoperative Wunden geeignet.

Polihexanid besitzt breite antimikrobielle sowie entzündungshemmende Eigenschaften und wird üblicherweise in Konzentrationen von 0,01 Prozent, 0,02 Prozent und 0,04 Prozent eingesetzt. Im Hansaplast Wundspray zur antiseptischen Wundreinigung ist Polihexanid jedoch als Konservierungsmittel enthalten, es kann daher als Medizinprodukt eingestuft werden. Gleiches gilt für die Wundspüllösungen Lavasorb (Fresenius Kabi) und Prontosan (B. Braun). Im Handel sind jedoch auch Polihexanid-haltige Arzneimittel, außerdem enthält das DAC/NRF Polihexanid-Rezepturen. Die Antiseptische Wundecreme von Bepanthen enthält Chlorhexidin.

Das Beiersdorf-Produkt soll Wunden „schmerzfrei und schnell“ von Schmutz und Bakterien befreien. Zudem sei das Produkt „ideal für Kinder und empfindliche Haut“. Das neue Hansaplast Wundspray löst das Vorgängerprodukt ab, das 0,2 mg Polihexanid auf 1 g Spray enthielt.

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