Umfrage zu Versandapotheken

Hälfte der Verbraucher würde Rx bei Amazon bestellen

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Berlin -

In den USA ist der lang erwartete – und gefürchtete – Fall bereits eingetreten: Amazon ist in den Rx-Versand eingestiegen und kämpft gleich zu Beginn mit harten Bandagen. Hierzulande ist wohl noch ein wenig Zeit, bis es soweit ist, aber das Damoklesschwert schwebt weiter über der Branche. Dass die Sorgen berechtigt sind, zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio: Demnach geben fast zwei Drittel der Befragten an, dass sie eher bis sehr wahrscheinlich rezeptfreie Medikamente bei Amazon kaufen würden. Die Hälfte könnte sich dies auch bei rezeptpflichtigen Medikamenten vorstellen.

Amazon hat immer wieder schlechte Presse, das Image des Versandgiganten ist hierzulande nicht das beste. Trotzdem würde die Mehrheit der Menschen in Deutschland dem Konzern seine Arzneimittel anvertrauen: 62 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eher bis sehr wahrscheinlich rezeptfreie Medikamente bei Amazon kaufen würden. Mit 49 Prozent könnte sich das knapp jeder Zweite auch bei rezeptpflichtigen Medikamenten vorstellen. Dabei sind Männer der Idee gegenüber offener als Frauen: 53 Prozent der männlichen und 46 Prozent der weiblichen Bevölkerung wären demnach bereit dazu, Medikamente Amazon zu bestellen.

Wie auch bei der Telemedizin sind es vor allem die jüngeren, die sich dem vermeintlichen neuen Angebot gegenüber offener zeigen: Die größte Bereitschaft für den Kauf von Rx-Arzneimitteln auf Amazon findet sich in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen. 57 Prozent gaben hier an, dass sie das tun würden. Im Gegensatz dazu können sich in der Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen deutlich weniger Befragte vorstellen, Medikamente auf Rezept bei Amazon zu kaufen: nur 36 Prozent würden das tun, mit 51 Prozent würde aber dennoch mehr als die Hälfte rezeptfreie Medikamente bestellen.

Auch die Befürchtung, dass das E-Rezept den Versandhandel weiter stärkt, wird durch die Umfrageergebnisse bestärkt: Aktuell können sich demnach mit 67 Prozent mehr als zwei Drittel der Befragten vorstellen, das E-Rezept zu nutzen, um online Medikamente direkt bei einer Versandapotheke zu kaufen. Am ehesten können sich das 25- bis 34-Jährige vorstellen: Unter ihnen gaben drei Viertel an, das E-Rezept so eher bis sehr wahrscheinlich zu nutzen, während es unter den 55- bis 65-Jährigen mit 53 Prozent vergleichsweise wenig – aber immer noch mehr als die Hälfte – sind.

Auch die Auffassung, dass der Arzneimittelversand allgemein durch die Covid-19-Pandemie einen Schub erlebt, wird durch die Ergebnisse gestützt: Unter den Befragten, die bereits eine online Apotheke genutzt haben, haben dies 17 Prozent während der Coronakrise zum ersten Mal ausprobiert. Vor allem unter den jüngeren Altersgruppen sind demnach einige erst durch die Pandemie beim Versand gelandet: Ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen und 24 Prozent der 25- bis 34-Jährigen gaben das an. Unter den 55- bis 65-Jährigen waren es nur 7 Prozent. Mit 69 Prozent gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, rezeptfreie Medikamente mindestens ab und zu online zu bestellen. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten sind es 42 Prozent. Dabei schließen Frauen die Nutzung von Versandapotheken beim Kauf von rezeptpflichtigen Produkten mit 62 Prozent eher aus als Männer. Von denen gaben das 54 Prozent an.

Immerhin: Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie die Vor-Ort- der Versandapotheke vorzieht. 83 Prozent antworteten, dass sie rezeptpflichtige Arzneimittel eher oder ausschließlich stationär beziehen. Bei rezeptfreien Medikamenten waren es 64 Prozent. Nur 3 Prozent gaben an, dass sie Rx-Medikamente ausschließlich online kaufen, bei rezeptfreien waren es 7 Prozent. 13 Prozent gaben an, dass sie verschreibungspflichtige Arzneimittel eher online kaufen und 29 Prozent, dass sie das bei rezeptfreien eher tun.

Dienstag vergangener Woche war Amazon Pharmacy in den USA an den Start gegangen. Kunden in 45 US-Staaten können seitdem verschreibungspflichtige Arzneimittel beim Versandgiganten bestellen. Nachdem sie auf der Startseite ihren Bundesstaat ausgewählt haben, loggen sie sich mit ihrem Prime Account ein und können direkt loslegen. Amazon arbeitet dazu nach eigenen Angaben mit den meisten Krankenversicherern im Land zusammen – die Kunden können demnach oftmals aus verschiedenen Preismodellen inklusive verschiedener Zuzahlungsstufen wählen. Selbstzahlern winkt ein attraktives Bonus-Programm, wirbt der Versandriese: Sie können demnach bis zu 80 Prozent Rabatt auf Generika und bis zu 40 Prozent auf Originalpräparate erhalten, wenn sie ohne Versicherungsbeteiligung bestellen.

 

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