Arzneimittelengpässe

Hamstern für den Brexit Tobias Lau, 11.06.2018 13:52 Uhr

Berlin - Hersteller MSD rechnet offenbar mit Arzneimittelengpässen durch den Brexit: Einem Bericht der Wirtschaftsagentur Bloomberg zufolge plant der Pharmakonzern bereits umfassende Maßnahmen, um sich auf Lieferschwierigkeiten in Europa und Großbritannien vorzubereiten. Im Deutschland gibt man sich abwechselnd gelassen und besorgt.

Geht es um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit, geben sich die internationalen Arzneimittelhersteller nach außen selbstsicher und zuversichtlich. Intern scheint jedoch vielerorts Verunsicherung zu herrschen. Die US-amerikanische Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg hat jetzt einen seltenen Einblick gegeben und Details zu den Vorbereitungen des US-Arzneimittelherstellers MSD Sharp & Dohme veröffentlicht. Ein Mitarbeiter, der mit den Vorgängen betraut ist, aber anonym bleiben will, berichtete der Agentur von den Notfallplänen bei MSD.

So arbeite das US-Unternehmen in Europa daran, einen Arzneimittelbestand von bis zu sechs Monaten vorzuproduzieren und einzulagern, um für Produktionsengpässe gewappnet zu sein. Denn schlimmstenfalls könnten neu eingeführte Dokumenten- und Zollkontrollen den Handel über Nacht derart erschweren, dass es auch bei der Lieferung von Grundsubstanzen für die Arzneimittelherstellung zu Versorgungsschwierigkeiten kommt. Die Kontrollen könnten die Lieferdauer von Großbritannien in die EU und umgekehrt um bis zu zwei Tage pro Route verlängern, so der MSD-Mitarbeiter.

Um mit den neuen regulatorischen Hürden umzugehen und entstehende Fragen klären zu können, erwäge MSD demnach auch, eine neue Abteilung einzurichten. Dazu sollen im niederländischen Haarlem eigens 30 neue Mitarbeiter, wahrscheinlich Zoll- und Handelsrechtsexperten, eingestellt werden. Außerdem sei geplant, die Kunden in die Vorbereitungen einzubeziehen: Abnehmer könnten angefragt werden, bis zu zwei Monate zusätzlicher Arzneimittelrationen zu kaufen, um im Zweifelsfall genug vorrätig zu haben.

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