Sorge vor dem Brexit

Britischer Apotheker in Deutschland: „Der Standard hier ist fantastisch“ Tobias Lau, 04.12.2018 15:19 Uhr

Berlin - Apotheker Nigel Carling hat sich etwas getraut, was sich nicht viele zumuten: Er ist aus seinem etablierten Leben ausgebrochen, um sich in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen. Leicht war es nicht, aber er hat es geschafft – und ist jetzt plötzlich mit neuen Unsicherheiten konfrontiert. Denn nach wie vor ist nicht sicher, wie der Brexit verlaufen wird. Die Hardcore-Brexiteers in der britischen Regierungspartei tun fast alles, um das fertige Austrittsabkommen noch zu versenken. Was ein harter Brexit aufenthaltsrechtlich für Briten in der EU bedeuten würde, ist unklar. Theoretisch müssten sie als Drittstaatler das Land verlassen. Für Carling als britischen Staatsbürger bringt dass vor allem Ungewissheit, denn er hat nicht vor, Deutschland wieder den Rücken zu kehren.

„Bis vor Kurzem habe ich noch gehofft, dass es doch nicht passieren wird“, zeigt sich Carling bedrückt. „Vor allem in letzter Zeit verfolge ich ständig die Nachrichten und muss jetzt leider sagen: Ja, es wird definitiv kommen.“ Dass die Bundesregierung plant, den Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft für Briten zu erleichtern, freue ihn deshalb zu hören. Beabsichtigt ist einem Gesetzesentwurf zufolge, dass Briten, die während der Übergangszeit nach dem EU-Austritt die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, ihre britische behalten dürfen. Auch ohne diese Möglichkeit ist die Zahl der Briten, die Deutsche geworden sind, seit dem Referendum im Juni 2016 in die Höhe geschnellt: Über 10.000 waren es allein 2016 und 2017 – mehr also doppelt so viele wie in den Jahren von 2000 bis 2015 zusammen.

Für Deutschland stellt der Brexit damit neben all den Gefahren auch eine kleine Chance dar. Denn – das betont auch die Kanzlerin regelmäßig – der Fachkräftemangel gilt als eines der größten Probleme für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft. „Ich mache mir deshalb wenig Sorgen, dass man mich aus dem Land schmeißt, ich habe schließlich einen qualifizierten Job und zahle viele Steuern. Außerdem herrscht in Deutschland eine große Nachfrage nach Pharmazeuten. Ich habe also gute Chancen, hier zu bleiben“, zeigt sich Carling optimistisch. Die Staatsbürgerschaft zu beantragen, stehe aber trotzdem auf seinem Plan.

Denn seine Zukunft sieht er in Deutschland und das nicht zuletzt wegen seines hiesigen Arbeitslebens. Für das deutsche Apothekenwesen ist er nämlich voll des überschwänglichen Lobes. „In Deutschland sind viele Dinge grundlegend anders, aber der Standard hier ist fantastisch“, findet er. Insbesondere seine Kollegen haben es ihm angetan. „Die Qualität der Mitarbeiter hier ist wirklich unvergleichbar, vor allem die Ausbildungen zur PTA und PKA sind absolut großartig. Ich würde sagen, selbst die schlechteste PTA in Deutschland ist besser als die beste in Großbritannien.“

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