Ex-PGEU-Präsident

Aufstieg und Fall des Štefan Krchňák Lothar Klein, 13.08.2016 08:51 Uhr

Berlin - Er war der erste Osteuropäer an der Spitze des europäischen Apothekerverbandes PGEU. Er war zwei Jahre lang Präsident der slowakischen Apothekerkammer und 18 Jahre Mitglied des Präsidiums: Štefan Krchňák hatte in seiner gut 600 Quadratmeter großen Poliklinik-Apotheke den ersten Kommissionierer in den neuen EU-Mitgliedsstaaten hinter dem früheren Eisernen Vorhang. Er war in der Apothekerwelt nicht nur in der Slowakei ganz oben und bekannt. Inzwischen ist er vom Schicksal gebeutelt abgestürzt und kämpft in seiner Heimatstadt Šurany um seine wirtschaftliche Existenz.

„Mir sind eine kleine Apotheke und hohe Schulden geblieben“, beschreibt Krchňák seine aktuelle Lage. Aufgeben will er nicht. Krchňák approbierte 1984 in der Hauptstadt Bratislava. Elf Jahre später eröffnete er seine eigene Apotheke in Šurany. In seinem Heimatland ist er dafür bekannt, die erste Apothekensoftware programmiert zu haben, die seit 1988 vertrieben wird.

2014 kletterte Krchňák auf den Höhepunkt seiner Apothekerkarriere. Für ein Jahr übernahm er den Posten als PGEU-Präsident, obwohl er sich danach nicht gedrängt hat. In seiner Heimat war man so stolz, einen Slowaken als ersten Vertreter der neuen Osteuropäer an der Spitze der europäischen Apothekerlandschaft platzieren zu können, dass er nicht ablehnen konnte. Seit 1997 saß er zudem im Vorstand der Apothekerkammer der Slowakei, seit 2000 als Präsident. Mehr noch: Seit 1998 war Krchňák in der Slowakischen Apothekerkammer für den Bereich „Europäische Angelegenheiten“ zuständig und seitdem Vertreter seines Landes in der PGEU – viele Ämter, viel Ehre und eine gutgehende Apotheke. Das alles ist vorbei.

„Noch vor einem Jahr hätte ich damit kein Problem gehabt, meine alte Apotheke als die, die man in der Slowakei sehen muss, zu empfehlen“, so Krchňák über seinen plötzlichen Niedergang. Alles fing damit an, dass sein Mietvertrag für die Poliklinik-Apotheke nach 20 Jahren auslief: „Zuerst wurde mir versprochen, dass alles weitergeht wie bisher.“ Statt ihn zu verlängern, habe sich aber der Bürgermeister von Šurany plötzlich für seine lukrative Apotheke interessiert.

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