KBV: Komplizierte Signatur verhindert E-Rezept-Einführung

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eAU und eRezept erfordern Komfortsignatur und eHBA

Berlin - Die Zweifel am Start des E-Rezepts zum 1. Juli werden immer lauter. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) rechnet damit, dass die Frist zum Anschluss der Leistungserbringer an die Telematikinfrastruktur (TI) bis dahin nicht gehalten werden kann. Man erwarte deshalb, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Frist verlängert, so Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel.

Im nächsten Quartal soll es schon losgehen mit dem E-Rezept – doch die Zweifel daran wachsen quer durch alle Sektoren. „Zum 1. Juli wird es kein E-Rezept geben – Gesetz hin oder her“, prognostizierte kürzlich erst AOK-Arzneimittelexperte Ulf Maywald. Etwas diplomatischer, wenn auch in der Sache nicht weniger deutlich, erklärte nun die KBV, warum sie nicht von einer fristgemäßen Einführung ausgeht: Die Ärzte würden ihre elektronischen Heilberufsausweise (HBA) gar nicht pünktlich bekommen.

„Die Informationen, die wir aktuell von der Gematik bekommen haben, zeigen, dass es Produktionswartezeiten gibt von zwei bis drei Monaten für Ärzte und auch für Psychotherapeuten“, erklärte Kriedel in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. „Wir haben deshalb Zweifel, ob es möglich sein wird, rechtzeitig zum 1. Juli oder auch zum 1. Oktober alle Praxen damit ausgestattet zu haben.“ Grund sei, dass die Kartenhersteller wahrscheinlich von der Anzahl überfordert seien. „Die Gematik hat auch schon mit den Herstellern gesprochen, damit die ihre Produktionskapazitäten erweitern.“

Hinzu kämen noch technische Probleme bei den Psychotherapeuten, „sodass das Bundesgesundheitsministerium die Frist verlängert hat, und wir erwarten das für die Ärzte auch.“ Die KBV könne trotzdem nur jeden Arzt und jeden Psychotherapeuten bitten, „dass er schnellstmöglich seinen Antrag stellt“. Doch selbst bei fristgerechter Auslieferung der Karten sieht die KBV demnach noch erhebliche Hürden zur Einführung des E-Rezepts.

Denn für die Ärzte bedeute die Ausstellung von elektronischen Verordnungen eine erheblich umständlichere Vorgehensweise im Praxisalltag: Denn anders als bisher reicht die Unterschrift per Kugelschreiber nicht mehr aus, um ein Rezept auszustellen. Stattdessen werden Ärzte jedes Rezept mit einer Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES) versehen müssen und brauchen dafür den HBA. Das bedeute, „dass der Arzt jedes Mal, bei jedem Rezept – und das ist ein Massengeschäft – den HBA stecken muss und eine lange PIN eingeben muss“, so Kriedel.

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