Apotheker sollen für Versender zahlen

, Uhr

Berlin - Mit dem Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) soll der Deutsche Apotheker Verband (DAV) verpflichtet werden, der Gematik ein vollständiges Apothekenverzeichnis zu übermitteln. Dessen Daten sollen offiziell die Basis für die Ausgabe von elektronischen Heilberufsaausweisen (HBA) und Institutionenkarten (SMC-B) bilden. Doch die Abda sieht darin ein trojanisches Pferd, das die Anbindung europäischer Versandapotheken ermöglicht – die anders als der DAV nicht für die Datenübermittlung zahlen müssen. In ihrer Stellungnahme zum DVPMG fordert die Abda deshalb, den entsprechend Passus zu streichen. Und wenn nicht, die Gematik selbst dafür zahlen zu lassen.

„Die Apotheken sind bereit und in der Lage, innovative Versorgungsangebote zu unterbreiten“, schreibt die Abda an die Adresse des Bundesgesundheitsministeriums. „Dies setzt es aber voraus, dass auch bei digitalen Angeboten ein fairer Leistungswettbewerb besteht, der es allen Apotheken, insbesondere auch im ländlichen Raum, erlaubt, den von ihnen versorgten Versicherten solche Leistungen zu offerieren.“ Regeln für einen fairen Leistungswettbewerb sieht die Standesvertretung im DVPMG aber offenbar nur bedingt. Unter anderem, weil der DAV auf eigene Kosten die Daten bereitstellen soll, mit denen ausländische Versandapotheken in die deutsche Versorgung eingebunden werden.

Denn mit dem DVPMG will der Gesetzgeber den DAV verpflichten, der Gematik unentgeltlich ein Apothekenverzeichnis zur Verfügung zu stellen, das mindestens monatlich aktualisiert – also auch entsprechend gepflegt – werden muss. Dessen Daten sollen nicht nur der Ausgabe von HBA- und SMC-B dienen, sondern nach Sicht der Abda auch der von „Komponenten zur Authentifizierung von Leistungserbringerinstitutionen an (Versand)Apotheken aus anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union“. Die Standesvertretung ist damit alles andere als glücklich. Neben der Frage, ob die Übermittlung überhaupt mit dem Grundsatz der Datenminimierung – also so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu übermitteln – vereinbar ist, kritisiert die Abda, dass es diese Regelung eigentlich gar nicht gebraucht hätte.

Denn eigentlich sei im Referentenentwurf noch vorgesehen gewesen, dass die Versandapotheken verpflichtet werden, jährlich eine Bestätigung darüber vorzulegen, dass sie weiterhin dem Rahmenvertrag beigetreten sind. „Mit einer solchen Regelung bestände für die Übermittlung des gesamten Apothekenverzeichnisses an die Gematik keine Notwendigkeit“, so die Stellungnahme. Es wäre demnach eigentlich ausreichend, wenn die Versandapotheken der Gematik vor Ausgabe der HBA und SMC-B eine entsprechende Bestätigung vorlegen. Deshalb „regen wir an, die vorgesehenen Änderungen (…) ersatzlos zu streichen“, so die Abda.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr aus Ressort

Hohe Unzufriedenheit mit Abda, BMG und Gematik
E-Rezept-Einführung: Apotheken glauben nicht mehr dran »
Callmyapo und deine Apotheke werden abgelöst
Gesund.de: Die Konditionen »
Weiteres
Hohe Unzufriedenheit mit Abda, BMG und Gematik
E-Rezept-Einführung: Apotheken glauben nicht mehr dran»
Callmyapo und deine Apotheke werden abgelöst
Gesund.de: Die Konditionen»
Kein Halbieren mehr nötig
Sanofi: Neue L-Thyroxin-Stärken»
30 Prozent Einbruch bei Erkältung
Bayer: OTC-Geschäft im Minus»
Entscheidung für AstraZeneca
Spahn mit Vaxzevria geimpft»
Engpässe durch Parallelhandel – was tun?
Drei (ungeeignete) Reformvorschläge gegen Reimporte»
Copyright © 2007 - 2021, APOTHEKE ADHOC ist ein Dienst der EL PATO Medien GmbH / Pariser Platz 6A / 10117 Berlin Geschäftsführer: Patrick Hollstein, Thomas Bellartz / Amtsgericht Berlin Charlottenburg / HRB 204 379 B