E-Rezept: Die Abda hat nichts zu sagen

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Berlin - Ziemlich genau acht Wochen sind es noch, bis das E-Rezept kommen soll – zumindest für rund 120 Apotheken in Berlin und Brandenburg. Welche das sein werden, steht aber offenbar noch gar nicht fest. Die Abda hält Informationen zurück, die Gematik verbleibt im Ungefähren. Offensichtlich nicht der einzige bemerkenswerte Vorgang rund um die E-Rezept-Einführung: Den Beschluss zur Beschränkung auf die Modellregion hat die Gesellschafterversammlung der Gematik nach Angaben der Abda erst gefasst, nachdem er bereits bekannt geworden war. Dass sich hunderte bis tausende Apotheken nicht nur umsonst auf den 1. Juli vorbereitet haben, sondern schlimmstenfalls nur eine kurze Erprobungsphase vor Jahresende erhalten, bevor sie das E-Rezept fehlerfrei bedienen können müssen, ist der Abda keine Stellungnahme wert.

Am Donnerstag hatte APOTHEKE ADHOC berichtet, dass das E-Rezept ab dem 1. Juli – anders als bislang landläufig erwartet – nicht bundesweit, sondern nur in einer Modellregion in Berlin/Brandenburg eingeführt wird. Noch am selben Abend verschickte die Gematik eine Pressemitteilung, in der sie dies bestätigte und erstmals erklärte, wie der Start ablaufen soll. Da war das allerdings nach Aussage der Abda noch gar nicht beschlossen worden: „Der Beschluss wurde einstimmig in der Sonder-Gesellschafterversammlung der Gematik am 30. April 2021 gefasst“, erklärte die Standesvertretung später dazu. Also einen Tag später.

Laut Gematik-Geschäftsführer Dr. Markus Leyck Dieken wussten aber Ärzte, Apotheker und Kassen längst davon: „Dieser Plan, das sofort deutschlandweit auszurollen, war nie der Wunsch der Gesellschafter der Gematik“, erklärte er dazu am Freitag im Video-Interview. Alle Gesellschafter – damit auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) – seien darüber stets im Bilde gewesen, dass das E-Rezept ab Juli vorerst nicht bundesweit verfügbar sein wird. Warum die Abda die deutschen Apotheken nicht von Beginn an transparent darüber informierte, bleibt vorerst ihr Geheimnis – Fragen dazu beantwortet sie auch auf mehrfache Nachfrage hin nicht.

Laut Gematik soll das E-Rezept erst im Lauf des vierten Quartals schrittweise deutschlandweit ausgerollt werden – bis dahin werden über 99 Prozent der Apotheken in Deutschland noch kein E-Rezept der Gematik zu Gesicht bekommen. Die Live-Erprobung kann sich für viele Apotheken also schlimmstenfalls auf wenige Tage bis Wochen beschränken. Danach müssen sie die Handhabung der elektronischen Verordnungen dann fehlerfrei beherrschen. Die Abda sieht kein Problem: Im Juli seien die Apotheken „E-Rezept-ready“, womit sie ihre digitale Kompetenz unter Beweis stellten, heißt es auf Anfrage lediglich.

Immerhin 120 Apotheken sollen ein halbes Jahr Probezeit erhalten. Aber welche sind das und wie wurden sie ausgewählt? Auch das verrät die Standesvertretung nicht. „Die Zahl der teilnehmenden Apotheken ergibt sich aus dem Gesamtsetting der teilnehmenden Ärzte sowie der teilnehmenden Patienten je Arztpraxis“, ist die einzige Information, die sie auf die Frage hin preisgibt. Weiß die Abda wenigstens selbst, welche es sind? Bei der Nachfrage verweist sie an die Gematik.

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