Die E-Rezept-App ist fertig – aber für die meisten unbrauchbar

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Berlin - Die offizielle E-Rezept-App sollte bis zum Start der Testphase kommen – und es scheint, dass die Gematik Wort hält. Ab dem 1. Juli soll sie jede:r Versicherte herunterladen können. Wirklich nutzen werden sie allerdings wohl vorerst nur sehr wenige. Und zwar nicht nur, weil das E-Rezept zunächst nur in Berlin/Brandenburg getestet wird, sondern weil Versicherte dazu eine elektronische Gesundheitskarte (eGK) mit NFC-Funktion brauchen – und die auch erst freischalten müssen.

Die E-Rezept-App der Gematik ist ab Juli kostenlos im Google Play Store, im App-Store von Apple und in der Huawei AppGallery verfügbar. Ob man vom Download auch etwas hat, hängt von mehreren Faktoren ab: So benötigt man ein NFC-fähiges Smartphone. NFC (Near Field Communication) ist ein internationaler Übertragungsstandard, bei dem Daten auf einer kurzen Distanz von 10 bis 20 Zentimetern übermittelt werden. Die Idee ist bestechend: Man muss nur die Versichertenklarte ans Smartphone halten, um sich anzumelden. Die allermeisten aktuellen Smartphones sind dazu auch in der Lage: Apple hat bereits seit dem iPhone 6 in jedem neuen Modell einen NFC-Chip verbaut, Samsung seit dem Galaxy S4. Wer ein älteres Modell hat, kann die Gematik-App nicht nutzen. Das gilt auch für Betriebssysteme unter iOS 14 oder Android 6.

Doch das Nadelöhr dürften weniger die Smartphones sein als die Versichertenkarten. Zur Anmeldung in der App ist nämlich eine elektronische Gesundheitskarte (eGK) notwendig, die NFC unterstützt. Das lässt sich an einem sechsstelligen Code erkennen, der unter dem schwarz-rot-goldenen Streifen oben rechts abgedruckt ist. Kein Code, kein NFC. Neue Versichertenkarten werden nur noch mit NFC-Funktion ausgeliefert. Doch selbst wenn der Code vorhanden ist, müssen Versicherte die Funktion erst freischalten, indem sie eine PIN bei ihrer Krankenkasse beantragen.

Und hier wird es für viele Versicherte schwierig: Denn viele Kassen senden die PIN aus Datenschutzgründen nicht per Post. „Dazu müssen die Versicherten in die Filialen vor Ort gehen – aber die sind wegen Corona geschlossen“, klagte erst Ende März AOK-Arzneimittelexperte Ulf Maywald. Nicht zuletzt deshalb sind tatsächlich NFC-fähige eGK bisher kaum verbreitet. Und ob der Anreiz in der Breite der Bevölkerung so groß ist, sich für ein Rezept, das man beim Arzt ohnehin auch ausgedruckt bekommt, erst an die Krankenkasse zu wenden und sich eine PIN zu organisieren, ist auch zweifelhaft.

Die Regierungsfraktionen im Bundestag hatten ebendieses Problem bereits erkannt: Mit einem Änderungsantrag zum kürzlich verabschiedeten Digitale Versorgung und Pflege-Modernisierungsgesetz (DVPMG) haben sie durchgesetzt, dass die Kassen verpflichtet sind, bis Januar 2022 – der Einführung des verpflichtenden E-Rezepts – ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die Versicherten einfacher die App nutzen können.

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