Antikörper-Infusionen bei Covid-19

Wirksamkeit vor eigener Antikörper-Bildung am besten

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Berlin -

Ende November hat der Antikörper-Cocktail „Regn-CoV2“ von Regeneron die Notfallzulassung zur Behandlung von Covid-19 in den USA erhalten. Nun gibt es neue Erkenntnisse: Die Behandlung scheint am besten zu wirken, wenn die Patienten seronegativ sind – also noch keine körpereigenen Abwehrstoffe gegen das Coronavirus gebildet haben.

Regeneron hat unter „Regn-CoV2“ die beiden Antikörper Casirivimab und Imdevimab zusammengefasst. Die Behandlung ist bei leichten und mittleren Erkrankungsverläufen von Covid-19 indiziert, bei Patienten mit einem Risiko für die Entwicklung von schweren Covid-19-Symptomen. Patienten, die sich im Krankenhaus befinden oder Sauerstoff benötigen, dürfen das Medikament nicht bekommen.

In der Vergangenheit konnte Regeneron bereits häufiger positive Daten für den Antikörper-Cocktail liefern. Neue Zwischenergebnisse aus einer zulassungsrelevanten Studie zeigen nun, dass mit der Behandlung die besten Ergebnisse erzielt werden können, wenn die Patienten noch keine eigenen Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet haben.

Seronegative Patienten mit hoher Viruslast

An der Studie nahmen Patienten mit bestätigter Covid-Infektion teil, deren Symptombeginn nicht länger als sieben Tage zurücklag. Bei Patienten, deren Immunsystem bereits mit der Antikörperproduktion begonnen hatte lag die Viruslast vor der Infusion bei rund 3,49 log10/ml, bei seronegativen Patienten hingegen bei rund 7,18 log10/ml.

Die Teilnehmer der Studie wurden auf drei Gruppen mit unterschiedlichen Behandlungen randomisiert: Sie erhielten entweder eine Einzelinfusion mit 8 g Casirivimab/Imdevimab beziehungsweise 2,4 g Casirivimab/Imdevimab oder Placebo. Im Durchschnitt waren die Patienten 44 Jahre alt. Zwei Drittel hatten einen oder mehrere Risikofaktoren für einen schweren Erkrankungsverlauf. Als primärer Endpunkt der Untersuchung diente die Viruslast sieben Tage nach der Infusion.

Wirkung ohne eigene Antikörper am besten

Regeneron zufolge konnte bei allen Patienten, die mit dem Antikörper-Cocktail behandelt wurden, eine deutliche Senkung der Viruslast erreicht werden. Am stärksten sei der Effekt jedoch bei Patienten mit der höchsten Viruslast gewesen – also solchen, ohne eigene Antikörperproduktion. Bei ihnen konnte die Viruslast um zwei log10-Stufen gesenkt werden – das entspricht einem Rückgang um 99 Prozent. Der Effekt sei größtenteils schon in den ersten beiden Tagen nach der Infusion eingetreten. Die beiden unterschiedlichen Dosierungen hätten dabei keine wesentlichen Unterschiede gezeigt.

Doch auch in der Placebo-Gruppe ging die Viruslast zurück. Der klinische Vorteil war daher relativ gering. Die Zahl der Patienten, die in den 29 Tagen nach der Infusion medizinische Hilfe benötigten, konnte von 6 Prozent in der Placebogruppe auf 3 Prozent gesenkt werden. Bei den seronegativen Patienten ging der Anteil von 15 Prozent auf 6 Prozent zurück.

Die Differenz war jedoch nicht signifikant – einen klinischen Nutzen konnte die Studie somit bislang nicht nachweisen. Die Untersuchung soll allerdings noch bis April 2021 laufen und insgesamt mehr als 6400 Patienten einschließen. Bis zum Sommer sollen dann die Endergebnisse der Studie veröffentlicht werden.

 

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