Risiken für einen tödlichen Verlauf

Übergewicht gefährlicher als Asthma

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Berlin -

Umso älter der Covid-Patient, desto höher das Sterberisiko bei einem schweren Verlauf. Einfluss auf dieses Risiko nehmen jedoch auch Begleiterkrankungen. Auswertungen von verschiedenen Kohortenstudien zeigen jetzt, dass nicht eine vorgeschädigte Lunge der größte Risikofaktor für einen tödlichen Infektionsverlauf ist. Besonders riskant sind Infektionen bei adipösen Menschen – Übergewicht ist mit der größte Risikofaktor, wenn es um das Sterblichkeitsrisiko geht.

Am Anfang galt Covid-19 vornehmlich noch als Lungenkrankheit. Einige Wochen später zeigte sich bei steigenden Infektionszahlen, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 den ganzen Körper betrifft. Durchfall, Gechmacksveränderungen, Thrombose – immer mehr Symptome kamen hinzu und die Leitlinien wurden kontinuierlich überarbeitet. Rund ein Jahr nach den ersten Infektionen in Deutschland können weitere Risikofaktoren ausgemacht werden. Mittlerweile weiß man soviel über die Krankheit, dass die Menschen in Risikogruppen eingeteilt werden können. Das ist nicht zuletzt bei für die Priorisierung bei der Impfung von Bedeutung.

Ein Risikofaktor steht allem voran: das Alter. Je älter eine Person, desto höher das Risiko für einen schweren und auch für einen tödlichen Verlauf. Verschiedenste Studien belegen das. So konnte in einer prospektiven Kohortenstudie mit über 20.000 Patienten gezeigt werden, dass das zunehmende Alter bei hospitalisierten Patienten mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für einen tödlichen Verlauf assoziiert ist. Die Autoren führten vorher eine Adjustierung der Komorbiditäten durch. Im aktuellen epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Institutes (RKI) wird deutlich, dass auch bei Vorliegen einer Vorerkrankung bei jüngeren Menschen – hierunter werden alle unter 60 Jahren verstanden – die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu sterben, deutlich niedriger ist als bei Menschen im höheren Lebensalter. Hierbei ist es egal, ob die älteren Personen vorerkrankt sind oder nicht.

Im Bulletin findet sich eine tabellarische Auflistung mit möglichen Risikofaktoren und der Wahrscheinlichkeit einer Hospitalisierung und das dazugehörige Sterberisiko. Die Angaben sind sortiert nach Größe des Effektschätzers für Mortalität. Dieser Begriff aus der Epidemiologie schätzt das Ausmaß der Änderung in der Erkrankungs-Häufigkeit, welche von einer bestimmten Exposition verursacht wird. In der Tabelle findet sich Adipositas bereits an Platz 7 von 23. Asthma bronchiale belegt den letzten Platz.

Beim Risikofaktor Adipositas sind alle Übergewichtigen mit einem BMI über 30 eingeschlossen. Zum Vergleich: Ein Mann mit einer Körpergröße von 1,80 m überschreitet diesen Wert ab einem Körpergewicht von 98 kg. Von den sechs Risikofaktoren, die über Adipositas stehen, beziehen sich drei auf das Alter. Platz 1 und somit das höchste Sterberisiko zeigen Menschen über 80. Auf Platz 2 folgen Menschen mit Down-Syndrom. Danach kommen die 70- bis 79-Jährigen. Auf Platz 4 stehen Menschen nach Organtransplantation. Danach folgt die nächst jüngere Altersklasse – die 60- bis 69-Jährigen. Platz 6 belegt die Vorerkrankung Demenz. Darauf folgt dann die Adipositas mit einem BMI von über 30. Diese sieben Personengruppen zeigen das höchste Risiko für einen tödlichen Verlauf von Covid-19.

Übergewicht zählt somit zu den Vorerkrankungen mit hohem Risiko. Bei einer Priorisierung der Bevölkerungsgruppen für eine Covid-19-Impfung unter Berücksichtigung der Impfziele fallen Menschen mit einem BMI über 30 somit in die dritte Gruppe. Zum Vergleich: Asthmatiker, COPD- sowie Krebspatienten sowie Menschen unter 70 Jahren fallen in Gruppe 4 und werden somit später geimpft. In die dritte Gruppe fallen schätzungsweise 5,7 Millionen Menschen.

Die Stufe 3 des Stufenplanes setzt sich insgesamt wie folgt zusammen:

  • Personen im Alter von 70 bis 74 Jahre
  • Personen mit Organtransplantation
  • Personen mit anderen Vorerkrankungen mit hohem Risiko, wie beispielsweise Adipositas oder Nierenerkrankungen
  • Bewohner und Angestellte von Gemeinschaftsunterkünften
  • Enge Kontaktpersonen von Schwangeren
  • Enge Kontaktpersonen oder Pflegende von Personen mit erhöhtem Risiko
  • Personal in medizinischen Einrichtungenmit moderatem Expositionsrisiko und in Positionen, die für die Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur besonders relevant sind
  • Teilbereiche des Öffentlichen Gesundheitsdienstes
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