Knappe Befüllung, falsche Kanülen

Kinder-Comirnaty: Zehnte Dosis nicht immer möglich

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Berlin -

Nicht immer gelingt es den Ärzt:innen, zehn Dosen Comirnaty aus dem Vial der Kinder-Variante zu entnehmen. Oftmals ist bei neun Dosen Schluss, oder bei 9,5 – da Poolen aber untersagt ist, kommt es zum Verwurf. Auch im Umgang mit Kleinstvolumina geübte Apotheker:innen und PTA konnten bei ersten Impfaktionen feststellen, dass Biontech sehr knapp befüllt. Die impfenden Ärzt:innen ärgern sich zusätzlich über das beigelegte Zubehör – für Kinderarme seien die Kanülen zu groß.

Neuer Impfstoff – alte Diskussion: Eigentlich ist das Vorgehen bei der Verdünnung des Biontech-Kinderimpfstoffes klar geregelt. Das Konzentrat mit 10 μg je Dosis muss mit 1,3 ml isotonischer Kochsalzlösung verdünnt werden. Danach können zehn Dosen à 0,2 ml entnommen werden. Genau wie bei der Erwachsenen-Variante sollen möglichst Totvolumen-arme Spritzen und Kanülen verwendet werden.

In der Praxis zeigt sich, dass die Entnahme von zehn Dosen à 0,2 ml jedoch nicht immer möglich ist. Genau wie beim Erwachsenen-Impfstoff ist das Poolen – also das Mischen von Impfstoff aus zwei Vials – untersagt. Restmengen müssen verworfen werden. Zu dünne Kanülen oder sogar Totvolumen-freie Spritzen sollen aufgrund der entstehenden Scherkräfte nicht verwendet werden. Insulin-Spritzen oder spezielle Vertreter wie die Zero Residual Spritzen fallen also weg.

Totvolumen-freie Spritzen: Spritzen ohne Totvolumen sind für all die Injektionen wichtig, bei denen ein geringes Volumen relativ genau verabreicht werden soll. So wurden die Zero-Residual-Spritzen beispielsweise ursprünglich für intravitreale Injektionen konzipiert. Wirkstoffe wie Ranibizumab, Aflibercept oder Bevacizumab werden in kleinsten Volumina à 0,05 ml in den Glaskörper injiziert. Da neben Fertigspritzen auch Durchstechflaschen am Markt sind, wollte das Unternehmen passende Spritzen für die intravitreale Injektion auf den Markt bringen. Mehrmalige Versuche seitens des Herstellers eine Erlaubnis für den Einsatz in Impfzentren & Co. zu erlangen scheiterten.

Beim Impfzubehör beklagen einige Ärzt:innen, dass die beigelegten Kanülen nicht passend für die ganz kleinen Patient:innen sind. Der Großhandel legt oftmals die gleichen Kanülen wie beim Erwachsenenimpfstoff bei – 23G. Apotheken erhalten dann oft Anrufe, ob diese Kanülen gegen kürzere Kanülen mit weniger Durchmesser, zum Beispiel 25G-Kanülen, getauscht werden können. Denn bei Armen von Fünfjährigen würden weniger Millimeter einen enormen Unterschied ausmachen. Weitere Fehlerquelle: Nicht immer legt der Großhandel Zubehör für zehn Dosen bei. Da im Vial der Erwachsenen-Variante nur sechs Dosen enthalten sind, berichten Apotheken, dass auch beim Kinder-Impfstoff nur Zubehör für sechs Dosen (plus Überschuss) beigelegt wird.

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