AOK analysiert

Achterbahn-Effekt bei Krankmeldungen

, , Uhr
Berlin -

Die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie haben nach einer Analyse der Krankenkasse AOK Nordost in diesem Jahr einen Achterbahn-Effekt auf Krankmeldungen gehabt. Schnellten die Zahlen für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern von Mitte März bis Mitte April weit über den Durchschnitt in die Höhe, fielen sie im Mai weit unter die üblichen Mittelwerte. Soziale Distanz habe damit nicht allein die Ausbreitung des Coronavirus stark eingedämmt, sondern auch andere Infektionskrankheiten in Schach gehalten, folgert die Kasse. Bis Ende Mai war es Versicherten mögliche eine begrenzte Krankschreibung über telefonischem Wege zu erhalten.

Nach ihren Daten waren im Mai jeweils um die 40 Prozent weniger Arbeitnehmer wegen Erkältungskrankheiten, Magen-Darm-Infektionen und akuten Lungenentzündungen krankgeschrieben als in den Vorjahren. Bei den Diagnosen akuter Bronchitis habe das Minus sogar bei rund 50 Prozent gelegen. Die Grippe-Saison endete auch nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts früher als gewöhnlich. Die abrupte Abnahme von Atemwegserkrankungen ab der zehnten Kalenderwoche sei insbesondere bei Erwachsenen über längere Zeit „extrem ungewöhnlich“, hieß es bereits Mitte April im Bulletin des Robert-Koch-Institutes (RKI).

Viele Arbeitnehmer hätten sich zu Beginn der Pandemie offenbar an die Empfehlung gehalten, bei Erkältungssymptomen zu Hause zu bleiben, analysiert die AOK Nordost. Ursachen für weniger Infektionen insgesamt sieht die Kasse darüber hinaus im Wechsel ins Homeoffice und in Kurzarbeit. Wegen der Kita- und Schulschließungen hätten sich vermutlich auch weniger Eltern über ihre Kinder angesteckt - und auch weniger Kinder untereinander.

Für ihre Analyse hat die Kasse ihre aktuellen Zahlen jeweils wochenweise mit dem Mittelwert der Vorjahreszeiträume von 2016 bis 2019 verglichen. Die Rechnung basiert auf einer Auswertung der anonymisierten Daten von Versicherten, die Krankengeld beziehen. Das sind in allen drei Ländern zusammen mehrere hunderttausend Menschen. Die AOK Nordost ist nach eigenen Angaben in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit insgesamt rund 1,75 Millionen Versicherten die größte regionale Krankenkasse.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
36.000 Euro Jahresgehalt plus Trinkgeld
Klinikchef sucht PTA für Falklandinseln »
Mehr aus Ressort
Impfverordnung wird verlängert
Zahnärzte dürfen gegen Corona impfen »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Beschlüsse des Ärztetages
Praxen befürchten Ruhestandswelle»
„Es ist keine evidenzbasierte Medizin“
Ärztetag streicht Homöopathie-Weiterbildung»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»