Flutapotheke im Wiederaufbau

„Wir werden noch ein weiteres Jahr brauchen“

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Berlin -

Vor genau einem Jahr hat Apothekerin Inge Göttling über Nacht ihre Burg Apotheke in Altenahr verloren. Die Flut hat alles mitgerissen. Aufräum- und Aufbauarbeiten dauern noch immer an. Seit Herbst hat die Apotheke ihren Platz in einem Container gefunden. Bis Göttling und ihr Team wieder in die ursprünglichen Räumlichkeiten können, wird noch viel Zeit vergehen.

Auch ein Jahr nach der Flutkatastrophe herrscht in den betroffenen Gebieten noch immer große Zerstörung. Wo einst eine gut laufende Apotheke ihren Platz hatte, fand sich nach dem Hochwasser nur noch eine Ruine. Damit die Menschen im Ahrtal weiter mit Medikamenten versorgt werden können, fand sich für die Apotheke eine rund 100 Quadratmeter große Containerlösung in Kalenborn. Seit Ende September findet das Team seinen Platz in der „Zwischenunterkunft“.

Dieses Video aus dem vergangenen Herbst gibt Einblicke in den Container:

Zwischenstand nach einem Jahr

Doch wie sieht es ein Jahr nach der Flut aus? „Das Haus ist zwar weitestgehend getrocknet – aber wir werden noch ein weiteres Jahr brauchen, bis wir wieder in die ursprünglichen Räumlichkeiten können“, erklärt Göttling. Denn allein bürokratisch sei viel zu klären und auch Handwerker seien schwer zu bekommen. „Das dauert natürlich alles und frisst Zeit“, meint die Apothekerin. „Der Wunsch ist da, die Realität sieht leider anders aus.“

Im Container habe man sich inzwischen gut organisiert und eingelebt. „Wir haben unsere Routinen gefunden und werden auch von den Menschen im Ahrtal gut angenommen.“ Neben der Belieferung von Rezepten und Kundenwünschen sind auch die Herstellung von Rezepturen und das Anmessen von Kompressionsstrümpfen möglich. Einmal in der Woche können im Labor einer anderen Apotheke die Rezepturen der Burg Apotheke abgearbeitet und hergestellt werden. „Wir sind also vollumfänglich tätig.“

Denn auch in den Notdienst ist die Burg Apotheke fest eingebunden: Rund alle 13 Tage findet im Container die Versorgung statt. Durch ein kleines Notdienst-Fenster können die Patient:innen mit ihren Medikamenten versorgt werden – das werde in der Region gut angenommen, freut sich die Inhaberin.

Rückkehr in ursprüngliche Räumlichkeiten geplant

Göttling ist froh, dass ihr Team weiterhin zusammenhält. „Wir kämpfen uns gemeinsam so durch.“ Im Herbst war noch unklar, ob die ursprünglichen Räumlichkeiten nochmal aufgebaut werden können – mittlerweile ist die Rückkehr sicher. „Das ist auf jeden Fall geplant.“ Aktuell herrsche im Ahrtal jedoch noch immer lediglich „Ordnung im Chaos“. Einige andere Apotheken in den Flutgebieten haben ihre Türen für immer geschlossen. „Es ist schon ein ungemeiner Kraftakt alles wieder aufzubauen – das muss man erst mal auf sich nehmen.“

Botendienst als zentrales Versorgungselement

Nach der Flut waren viele Ortschaften abgeschnitten und schlecht zu erreichen. Fünf bis sechs Stunden pro Tag waren zwei Fahrer:innen der Apotheke zu Spitzenzeiten unterwegs, um auch die kleinsten Orte zu versorgen. Da die Straßen teilweise noch immer in katastrophalem Zustand sind, wurde im Herbst ein Geländewagen angeschafft. Erst kürzlich hat die Inhaberin eine Evaluierung durchgeführt: „Wir hatten natürlich schon einen Einbruch“, erklärt sie. Mittlerweile hätten sich die Zahlen jedoch wieder erholt und seien wieder auf Normalniveau. „Allerdings haben sich die Botendienste fast verdoppelt – das ist natürlich unglaublich kostenintensiv.“

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