Nach der Flut: Was wird aus dem Standort?

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Berlin -

Fast einen Monat ist die Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen jetzt her. Von Alltag kann vielerorts keine Rede sein, aber irgendwie muss es weitergehen. Auch wenn die allermeisten Apotheken mittlerweile wieder geöffnet sind, stellt sich mancherorts die Frage nach der Perspektive: Welche Folgen könnte die Flut für den Standort haben?

Dr. Michael Bur war glücklicherweise nicht selbst von der Katastrophe betroffen – hatte aber ebenfalls alle Hände voll zu tun. Er ist im Vorstand der Apothekenkooperation Invida, von deren 38 Apotheken zehn in den am schwersten getroffenen Gebieten liegen. Mit Hochdruck versuchte er in den Tagen nach der Flut, Hilfe zu organisieren: von der Notdienstvertretung über die Reorganisation der Heimversorgung bis zu einem Hilfskredit für besonders betroffene Kollegen. Mittlerweile kann er halbwegs Entwarnung geben. „Die meisten unserer Apotheken sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt er. „Da ist mal der Keller vollgelaufen oder das Labor zerstört worden, aber alle konnten wenig später wieder den Betrieb aufnehmen. Nur die Kylltal-Apotheke in Trier-Ehrang hat es sehr schwer getroffen, aber auch sie ist mittlerweile wieder in relativ normalem Betrieb.“

Das finanzielle Angebot stehe noch, größere Finanzhilfen für die Kooperationsmitglieder seien bisher aber glücklicherweise nicht nötig gewesen. „Im Großen und Ganzen sind wir als Gruppe gut davongekommen“, so Bur. Die Solidarität habe sich in den Tagen und Wochen nach der Katastrophe bewährt, bei der Heimversorgung beispielsweise: Zwei Seniorenheime in Kordel und Trier-Ehrang waren durch die Wassermassen zerstört worden, ihre Bewohner wurden erst evakuiert, dann kurzfristig untergebracht und schließlich auf andere Heime im Bitburger und Trierer Umland verteilt. Vor allem in der Zeit direkt nach der Flut war es schwer, sie zu versorgen. Selbst wenn sie kurzfristig ausfindig gemacht werden konnten – Medikationspläne waren verschwunden und ihre Arzneimittel sowieso.

„Das war ein Provisorium von ungefähr zwei Wochen. Wir mussten schnell recherchieren, wer welche Medikamente erhält“, erklärt Bur. „Das ging teilweise mit Anrufen beim Ärzten, aber auch bei den Krankenkassen oder den Rechenzentren. Alle haben Informationen, wer welche Medikamente erhält. Dabei kommt es natürlich auch zu Ungenauigkeiten, aber generell haben wir es gut hingekriegt.“

Ähnliche Szenen hätten sich im Kleinen oft abgespielt, erzählt er: Ältere Patienten beispielsweise, die bei Verwandten untergekommen mussten, weil ihre Wohnungen überflutet wurden. Medikamente oder gar Rezepte hatten die natürlich nicht. „Da musste man oft im guten Vertrauen einfach etwas abgeben und versuchen, im Nachhinein ein Rezept dafür zu organisieren“, so Bur. „Das waren natürlich keine hochpreisigen Sachen, das juristische Risiko ist da größer als das wirtschaftliche. Aber jeder Apotheker sollte in so einer Situation eigentlich korrekt handeln können. Im normalen Versorgungsalltag kommt man manchmal in ähnliche Situationen.“

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