Streit wegen Impfausweis

Kunde mit Kind greift Apotheker an

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Berlin -

In einer Apotheke in Ludwigshafen kam es am Dienstag zu einer körperlichen Auseinandersetzung und sogar Verfolgungsjagd. Das Apothekenteam weigerte sich, einem Kunden einen digitalen Impfausweis auszustellen, weil es Unstimmigkeiten in dessen Unterlagen gab – daraufhin wurde er handgreiflich.

Am 31. August endete in der Ludwigshafener Hohenzollern-Apotheke ein Kundengespräch in Geschrei und körperlicher Gewalt. Gegen 8 Uhr morgens betrat ein Mann mit einem Kinderwagen die Apotheke, um sich einen digitalen Impfausweis ausstellen zu lassen. Als er seinen Impf- und Personalausweis ausgehändigt habe, sei sie misstrauisch geworden, berichtet Filialleiterin Marte Heiser: „Mir fiel auf, dass der letzte Buchstabe des Nachnamens in den beiden Dokumenten voneinander abwich.“ Zunächst habe sie noch an ein Versehen geglaubt – dann habe sie bemerkt, dass auch das Geburtsdatum auf dem Impfpass nicht zu dem auf dem Personalausweis passte. „Also sagte ich ihm, dass ich den digitalen Impfausweis nicht ausstellen würde.“

Daraufhin sei der Kunde aggressiv geworden. „Er schrie mich an, weil ich angeblich seine Identität infrage stellte.“ Nach einigem Hin und Her habe sich schließlich ihr Chef eingeschaltet, der gemeinsam mit einer weiteren Kollegin ebenfalls anwesend gewesen war. Als der den Kunden zum Verlassen der Apotheke aufforderte, sei der Mann auf ihn losgegangen. Er habe dem Apotheker einen so heftigen Stoß versetzt, dass dieser zu Boden ging. Ihr Chef habe keine Chance gehabt, erklärt Heiser: „Der Angreifer war kräftiger gebaut und daher stärker als er.“ Das etwa zweijährige Kind des Kunden habe alles aus seinem Buggy mitansehen müssen und zu weinen begonnen.

Das Apothekenteam verständigte daraufhin die Polizei – der Angreifer habe das Ganze mitverfolgt und erst dann seelenruhig die Apotheke verlassen. „Mein Chef hat dann kurzerhand die Verfolgung aufgenommen und ist ihm hinterhergelaufen, um der Polizei seinen Standort mitzuteilen.“

Die zuständigen Polizist:innen hätten nach ihrer Ankunft die Daten des Kunden aufgenommen und sich den Tathergang schildern lassen. Seitdem habe das Apothekenteam noch nichts von der Polizei gehört. „Wahrscheinlich wird sich da eher nichts ergeben.“

Der Vorfall bleibt Marte Heiser als die bisher negativste Kundenerfahrung in Erinnerung. „Das war das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe“, sagt sie. „Wir kamen uns wirklich vor wie im Krimi.“

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