Klohäuschen, Wohnwagen, Garage: Apotheken wappnen sich für den Ansturm

, Uhr aktualisiert am 20.12.2020 09:16 Uhr
Berlin -

Chaos allenthalben oder alles halb so wild? Apotheken in ganz Deutschland bereiten sich auf die großen Maskenabgabe ab Dienstag vor. Neben guten Nerven ist vor allem Kreativität gefragt – und Geduld: Viele Fragen sind noch offen, die Kunden stellen sie trotzdem. Die Stimmung in den Apotheken reicht von angespannt bis gelassen. Wie bereiten sich Inhaber und Teams auf die Mammutaufgabe vor?

Wer heute zur Nürnberger Moritz-Apotheke kommt, den erwartet ein ungewohnter Anblick: Vor der Offizin steht ein waschechtes Toilettenhäuschen aus Holz, stilecht mit einem eingesägten Herz in der Tür. Die Apotheke von Inhaberin Margit Schlenk bietet ihren Kunden aber kein Pop-up-Notdurftrefugium, sondern kostenlose FFP2-Masken: „Ich stehe da morgen mit Heißlüfter und Kaffeetasse drin und werde die Maskenverteilung rocken“, sagt Schlenk und ist selbst amüsiert über die Aktion. „Wir haben halt nichts anderes. Das wird morgen aufgeklappt, an die Wände kommen Plakate mit den Regularien, davor ein Stehtisch und die Kisten mit den Masken.“ Ursprünglich hatte sie den Donnerbalken vor elf Jahren für eine Aktion zum Thema Inkontinenzversorgung beschafft, seitdem war er eingelagert und wartete darauf, von Schlenks Ehemann in ein kleines Jagdhäuschen umfunktioniert zu werden. Nun wurde er doch nochmal nützlich. „Ich hoffe auf einen großen Ansturm morgen“, sagt Schlenk. „Und ich sage bewusst hoffentlich, weil ich mir wünsche, dass die Menschen gut für das Weihnachtsfest ausgestattet werden.“

Auch ein kurioser Anblick ist die Apotheke von Inhaber Martin Halm: Er hat auf dem Parkplatz vor seiner Burg-Apotheke im mecklenburgischen Warin einen Wohnwagen stehen. Aus dem heraus sollen morgen die Masken verteilt werden. Er will die Leute nicht in der Apotheke haben, da sei vor Weihnachten genug zu tun. Auch sei diese Lösung mit Blick auf das Infektionsgeschehen besser. Fahrer und Reinigungskraft aus dem Team teilen sich die Schichten im Wohnwagen ein und versorgen die Kunden über die „Pferdetür“, die sich als Fenster halb öffnen lässt. Ein Heizkörper wurde schon reingeschafft, eben holt Halm noch eine Plexiglasscheibe aus dem Baumarkt. Lichterkette, fertig. Morgen Nachmittag erwartet er eine größere Lieferung mit 4000 Masken, bis dahin müssen die letzten 1000 Masken aus dem aktuellen Bestand reichen.

Ebenfalls nach draußen verlagert eine Apotheke in Nordrhein-Westfalen die Masken-Abgabe: Damit es in der Offizin nicht zu voll wird, nutzt sie die angrenzende Garage. Hier soll ein Mitarbeiter die Masken verteilen. Für die Dokumentation wurde ein eigener Kunde in der Software angelegt. So verfahren auch andere Kollegen. „Spahn-Trio“ heißt der Platzhalterkunde in einem Betrieb, „Maske3“ in einem anderen. Die Heinrich-Zille-Apotheke in Berlin hat zwar keine Garage, dafür aber einen Nebeneingang. Hier soll morgen über einen Klapptisch die Ausgabe erfolgen. Wie die allermeisten Apotheken hängen auch hier gleich mehrere Zettel in den Schaufenstern und der Eingangstür, dass frühestens morgen Masken verteilt werden. Apotheker Christian Kraus aus Pforzheim hat sogar die freche Variante davon ausgehängt: „Bedanken Sie sich bei unserem Gesundheitsminister, der uns leider auch keine genauen Informationen zu dieser Gratis-Aktion gegeben hat.“ Einer Kollegin wurde von einer Mitarbeiterin mitgeteilt, sie fühle sich „von der Politik verheizt“.

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