In der Praxis: Arzt verkauft Potenzmittel

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Berlin -

Weil ungewöhnlich wenige Rezepte einer bestimmten Praxis in der Apotheke landeten, schickte der Inhaber einen Testpatienten. Und der lieferte den eindeutigen Beweis: Statt ein Rezept auszustellen, verkaufte der Arzt ein Viagra-Generikum gleich in der Praxis. Das Landgericht Leipzig hat dem nun ein Ende gesetzt. Allerdings wüsste der Apotheker noch gern, welcher Kollege die Praxis beliefert und gegebenenfalls für diese sogar mit den Kassen abrechnet.

Zuerst war es dem Steuerberater des Apothekers aufgefallen: Die Umsätze aus dem urologischen Bereich lagen deutlich unter dem zu erwartenden Wert – eigentlich hätten viel mehr Rezepte aus der Praxis ihren Weg in die Apotheke in direkter Nachbarschaft finden müssen. Also heuerte der Apotheker aus dem sächsischen Markkleeberg einen Testkäufer an. Für ein Honorar von 60 Euro zuzüglich Auslagen sollte dieser mit einer vermeintlichen psychisch bedingten erektilen Dysfunktion in der Praxis vorsprechen.

Nach der Untersuchung schloss der Arzt physische Ursachen aus. Der Lockvogel sagte, dass er gerne Viagra ausprobieren würde und fragte, ob das Präparat verschreibungspflichtig und nur in der Apotheke zu bekommen sei. Der Mediziner erklärte, dass er entweder ein Rezept ausstellen oder ihm das Arzneimittel direkt geben könne.

Natürlich wollte der falsche Patient das Mittel sofort, dafür war er ja schließlich in der Praxis. Der Arzt las als nächstes eine Liste von Potenzmitteln vor, erläuterte verschiedene Packungsgrößen und erklärte, was er vorrätig habe. Der Testpatient wurde zum Testkäufer und erstand Sildaristo, 12 Tabletten à 100 mg zum regulären Preis von 30 Euro. Dann fragte er nach einer Quittung. Man verständigte sich auf die Formulierung „Hodenkrebsvorsorge“ – so weit, einen echten Beleg auszustellen reichten die Allmachtsfantasien des Halbgotts in Weiß dann doch nicht.

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