Gesund.de: „Ich will da nicht mitmachen“

, Uhr

Berlin - Die Plattform Gesund.de soll nach dem Willen ihrer Gründer das große digitale Drehkreuz im Apothekenmarkt werden. Doch was, wenn Apotheken das gar nicht wollen? Nicht alle sind begeistert von den Plänen. Henry Schwabe beispielsweise, Inhaber der Glück-Auf-Apotheke in Sangerhausen: Aus seiner Sicht versuchen vor allem die Großhändler derzeit, ihre Pfründe zu sichern – und halten dabei noch die Hand auf. Statt konzerngeführter Plattformen sei es eigentlich die Aufgabe des Deutschen Apothekerverbands (DAV) gewesen, eine die ganze Branche umfassende Lösung zu finden. „Aber der kommt halt nicht aus dem Knick“, sagt Schwabe.

„Wir machen hier die Arbeit für irgendwelche Konzerne und sollen dafür auch noch viel mehr Geld bezahlen als wir jetzt bezahlen“, klagt der Inhaber aus Sachsen-Anhalt. Dabei betont er, dass er sich keineswegs gegen die digitalen Tools zur Wehr setzen wolle – ganz im Gegenteil: Er nutze „deine Apotheke“ von ADG und sei damit sehr zufrieden. „Ich bin weiterhin überzeugt von der Funktionalität der App auf Kundenseite, und die Implementierung in die ADG-Software ist top.“ Doch eine Wahl, die App weiter zu verwenden, habe er nicht – sie wird schließlich zu Gesund.de zwangsmigriert.

„Die Nutzer von ‚deine Apotheke‘ und CallMyApo haben diese Apps gepusht, im Markt verbreitet und genau wie ich wahrscheinlich sehr viel Geld in das Marketing investiert“, sagt er. „Natürlich werden mit dem Zwang zur Migration zu Gesund.de die Investitionen der Apotheken in die vorherigen Apps vernichtet. Das betrifft unter anderem Kundenakquise per Post, das Bekleben von Autos, das Drucken von Flyern, das Schalten von Werbung in der Lokalpresse und so weiter.“ Und da sind noch nicht einmal die Kosten für die Teilnahme an der neuen Plattform einberechnet: Als ADG-Kunde zahle er bisher nur 20 Euro im Monat, bei Gesund.de werden es 149 Euro.

Die Summen, die da zusammenkommen, seien bereits jetzt stattlich, rechnet er vor: Wenn es stimme, dass bereits 2000 Apotheken an Bord sind, entspreche das 3,5 Millionen Euro im Jahr – jetzt schon. IBM erhalte vom Bund für die Entwicklung der Infrastruktur zum digitalen Impfausweis gerade einmal 2,7 Millionen Euro. „So macht man Kasse, aber ohne mich. Für mich steht fest, die Initiatoren und Betreiber am Projekt Gesund.de bekommen bei mir keinen Fuß mehr in die Apotheke beziehungsweise werden entsprechend behandelt“, sagt er. „Ich bin stinksauer.“

Entsprechend habe er auch schon gehandelt: Bei Wort & Bild wolle er seine Mengen kürzen, bei Phoenix habe er bereits angerufen und verlangt, dass alle nicht öffentlichen Daten von ihm gelöscht werden, und bei Noventi habe er nur ein Gefahrstoffprogramm für 10 Euro im Monat gebucht, das er nun aber auch kündigen wolle. Nur ADG wolle er die Treue halten – nicht zuletzt, weil er mit der App zufrieden sei und sich frage, warum die Vielfalt unterschiedlicher Anwendungen nicht erhalten bleibe.

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Weiteres
Drei Wochen abgeschaltet
Facebook erlaubt Vagisan wieder»
Familienpackung für die Hausapotheke
Nasic kommt im Doppelpack»
Nur noch eine Rezeptur pro Verordnung
Platzmangel durch Hash-Code und Z-Daten»
Dosierungsangabe
Achtung Retax: >>2x»