Lieferengpässe

Aspirin Complex: Alles auf N1

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Berlin -

Bayer hat auf den Lieferengpass bei Aspirin Complex reagiert. Der Leverkusener Pharmakonzern passt die Herstellung an: In Bitterfeld werden nicht mehr alle Packungsgrößen hergestellt. Am Produktionsstandort in Sachsen-Anhalt wird nach wie vor unter Hochdruck an einer Lösung des Problems gearbeitet.

Die Lieferschwierigkeiten von Aspirin Complex wurden im Sommer bekannt. Grund sind laut Bayer „fortlaufende Korrektur- und Modernisierungsmaßnahmen“ am Produktionsstandort Bitterfeld. Alle Terminlieferungen bis Januar wurden abgesagt. „Wir arbeiten hart an der Verbesserung der Warenverfügbarkeit für Aspirin Complex, sind natürlich selbst unglücklich über den Mangel an Ware und dass wir Apotheken und Endkunden nur eingeschränkt beliefern können“, sagt OTC-Deutschlandchef Tobias Boldt. Die Kollegen in Bitterfeld seien am Ball.

Die Herstellung wurde eingeschränkt: „Um eine möglichst breite Versorgung zu gewährleisten, produziert Bayer Aspirin Complex aktuell nur in der 10er-Packungsgröße“, so Boldt. Die verfügbaren Mengen würden dem Großhandel zur Verfügung gestellt und könnten über diesen bezogen werden. Die Lieferungen kamen bereits in Apotheken an. Die Freude einzelner Teams über den neuen Vorrat an dem Kombipräparat währte jedoch nicht lange: Die Apotheke im Hauptbahnhof Köln etwa warb mit dem Grippemittel, am nächsten Tag war alles weg.

Bayer verfügt in Bitterfeld laut eigenen Angaben über „die am weitesten automatisierte pharmazeutische Fertigungsanlage in Europa“. Warum das Granulat nicht ausreichend geliefert werden kann, ist nicht bekannt. Bayer zufolge wird in Bitterfeld „konsequent der vertikale Materialfluss“ angewandt: Was im siebten Stock des Betriebes in die Anlage eingebracht wird, kommt nach etwa zwei Tagen im Erdgeschoss in den Versand. Dabei durchlaufe das Produkt unter anderem einen der zwanzig Meter hohen Wirbelschichtgranulatoren.

In Bitterfeld produziert Bayer seit 1995, 2004 wurde der Betrieb erweitert. Seitdem können laut Konzernangaben vergleichsweise kleine Produktionsmengen hergestellt werden. Jährlich werden rund 8 Milliarden Tabletten für den Vertrieb in 50 Länder hergestellt. Zusätzlich zu Aspirin gehen die OTC-Marken Alka Seltzer, Talcid, Aleve und Rennie über die Bänder.

Derzeit wird der Bereich Qualitätskontrolle in Bitterfeld personell ausgebaut. Aktuell wird ein Leiter der Qualitätskontrolle im Supply Center gesucht. Der Apotheker soll unter anderem die Sicherung der zulassungskonformen Prüfung von Fertigarzneimitteln, Bulkware, Einsatzstoffen und Packmitteln einschließlich Genehmigung verantworten.

Mit Aspirin Complex werden pro Jahr rund 60 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) erzielt, das ist fast die Hälfte aller Erlöse der Marke Aspirin. Aspirin Complex zählt neben Grippostad (Stada) und Wick Medinait/Daymed (Wick) zu den führenden Grippemitteln: Die drei Marken teilen sich drei Viertel des Marktes. Von Grippostad C werden 8,1 Millionen Packungen pro Jahr verkauft, von Aspirin Complex 5,5 Millionen Stück. Wick Medinait kommt auf 4,3 Millionen Einheiten, Wick Daymed auf rund 900.000.

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