Homöopathie von Versendern muss erstattet werden

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Berlin -

Die Ungleichbehandlung zwischen Apotheken und ausländischen Versendern ist noch immer nicht gelöst. Was viele Apotheker hierzulande verständlicherweise ziemlich ärgert. Aber es kommt noch dicker: Bestellt ein Kunde homöopathische Arzneimittel über eine niederländische Versandapotheke, ist die Krankenkasse zur Erstattung verpflichtet. Hat irgendein Gericht so entschieden. Denn über was ließe sich noch besser streiten als über den Versandhandel? Richtig: Homöopathie.

Der Europäische Gerichtshof hat es vor langer Zeit festgestellt: Versandapotheken im EU-Ausland haben es wirklich nicht leicht. Sie müssen die Arzneimittelpackungen zusätzlich verpacken, sie müssen eine externe Firma damit beauftragen, die Päckchen auszufahren und diese dürfen die Päckchen nicht einmal beim Nachbarn abgeben (also eigentlich). Ebenfalls teuer ist es, den Verbraucher zu überzeugen, seine Arzneimittel auf diesem Weg zu beschaffen, also bekommt er einen kleinen finanziellen Anreiz. Und klein heißt heute bis zu 30 Euro – die Bagatellisierung der Bagatellgrenze.

Ohne Boni geht es nicht: Versender haben schließlich kaum einmal die Gelegenheit, den Patienten in einem persönlichen Gespräch zu beraten – wie ungerecht. Sie hätten auch gar keine Zeit dazu, weil sie den eigenen Aktionären erklären müssen, warum es jetzt keine Dividende gibt, und den Investoren, warum nur noch einmal neues Geld nötig ist. So, und jetzt Schluss mit diesem populistischen Versender-Bashing und hin zu konstruktiven Vorschlägen.

Viele Menschen glauben an die Kraft der Homöopathie. Einige Kassen erstatten die Versorgung mit diesen Mitteln in Sondertarifen. Das ist mit Scharfblick auf die gestrichene Erstattung von Sehhilfen für kurz- oder weitsichtige Versicherte eine tapfere Entscheidung und nicht gänzlich unumstritten. Aber das Wort Globuli heißt wörtlich übersetzt auch „Zankapfel“.

Damit es am HV-Tisch nicht zu Streit kommt, weil der eine Versicherte seine Kügelchen erstattet bekommt, während der andere Zahlen muss, wird jetzt Folgendes verfügt: Alle Krankenkassen müssen homöopathische Arzneimittel erstatten, ausnahmslos und ohne Nachfrage, aber nur dann, wenn der Kunde sie online bei einer Versandapotheke bestellt. Berater zu dem Thema gibt es auch in der Offline-Welt genug. Da der Versandhandel in den Augen der Politik noch keine kritische Größe erlangt hat, könnten die Krankenkassen sogar entlastet werden.

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