Lieferservice

„Same day delivery“: Machen wir seit 30 Jahren

, Uhr
Berlin -

Wenn sich Onlinehändler für ihre schnelle Lieferung feiern, können Apotheker nur lachen. Denn der Botendienst gehört für die meisten Inhaber zum Standardservice. Die Apotheke am Bodenborn macht derzeit mit einem großflächigen Plakat auf ihr Pillentaxi aufmerksam und rauscht in der Grafik an DocMorris und Amazon vorbei.

Die Apotheke in Witten-Bommern im Ruhrgebiet gibt es seit mehr als 50 Jahren. Inhaberin Christina Herrmann-Trubitz führt in dem Vorort zwei Standorte. Betriebswirtschaftlich wird sie von ihrem Mann Michael Trubitz unterstützt. Seit 30 Jahren bekommen Kunden auf Wunsch wichtige Arzneimittel per Bote am gleichen Tag nach Hause geliefert.

Seit Ostern weist die Apotheke mit einem Großplakat auf diesen Service hin. An der Seitenwand des Hauses steht: „Same day delivery? … Machen wir schon seit 30 Jahren.“ Gezeigt wird das Pillentaxi der Apotheke und wie es an Amazon und DocMorris vorbeifährt. Zudem wird auf die Internetseite und den Telefonkontakt verwiesen. Natürlich fehlen auch das Logo der Apotheke und das Apotheken-A nicht.

Das fünf mal vier Meter große Plakat sei eine spontane Idee gewesen, sagt Trubitz, der sich um das Marketing kümmert und die Facebook-Seite betreut. „Mich sprechen viele Geschäftskontakte darauf an.“ Sonst seien die Rückmeldungen überschaubar. „Wobei ich nicht im Handverkauf arbeite und wenig Kundenkontakt habe.“ Er vermute jedoch, dass ältere Kunden nicht viel mit dem Begriff „Same day delivery“ anfangen könnten.

Die Apotheke will mit dem Plakat ein Zeichen setzen. Internethändler wie Amazon machten auf ihre tagesgleiche Zustellung aufmerksam, während Apotheken das schon so lange anböten, sagt Trubitz. Seit fünf Jahren fahren die beiden Betriebe Arzneimittel mit dem Pillentaxi aus, seit Neuestem im grauen Mini. Der Wagen sei sehr aufmerksamkeitsstark, so Trubitz. „Ich finde, man gibt mit dem Pillentaxi nicht die eigene Identität auf, sondern ist als Apotheke mit dem eigenen Logo auf dem Wagen präsent.“

Die Apotheke macht mit verschiedenen Aktionen in ihrem Einzugsgebiet auf den Service aufmerksam. Es ist nicht das erste Plakat, das die taggleiche Lieferung bewarb. Bereits 2017 wurde großflächig für den „Pillentaxi-Service“ geworben. „Wir haben viele Kundenaktionen“, sagt Trubitz. Dazu gehöre etwa eine Ladies-Night mit Live-Band. „Wir machen das, weil es uns Spaß macht.“

Auch bei Facebook ist die Apotheke aktiv. „Ich wundere mich immer, dass nicht mehr Kollegen dort stärker vertreten sind.“ Das Netzwerk biete einige Vorteile: Man könne seinen Kundenkreis exakt eingrenzen und die Werbemaßnahmen seien im Vergleich sehr günstig. Auch Beiträge mit DocMorris-Kritik scheut das Team nicht. „Fortschritt macht keinen Notdienst oder Rezepturen und zahlt in Deutschland keine Steuern“, kommentierte Trubitz beispielsweise ein Werbeplakat der niederländischen Versandapotheke.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
WebApp statt iPad
Mayd arbeitet an Comeback
Start-up ist insolvent
Mayd scheiterte am E-Rezept
Mehr aus Ressort
Inhaber gönnen Angestellten mehr Gehalt
Tarifabschluss: „Das verschärft den Stress“
Falsches Signal zur falschen Zeit
ADA: Saarland will Tarifverbund verlassen

APOTHEKE ADHOC Debatte