Gegendemo! Großhändler gehen auf die Straße

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Berlin - Kaum jemand nimmt von der kleinen Gruppe Notiz, die sich vor dem Brandenburger Tor versammelt hat. Es sind die Vertreter des pharmazeutischen Großhandels, die zur Großdemonstration aufgerufen haben. Denn wenn die Apotheker auf die Straße gehen, müssen auch die Lieferanten für ihre Rechte eintreten, oder wenigstens für ihre Kohle. Auch wenn das Grüppchen weniger auffällt als die südkoreanische Reisegruppe: Die Veranstalter sind stolz. Alle sind gekommen! Alle fünf.

„Straßenkampf muss sein, ich trage nicht einmal eine Krawatte“, sagt einer und blitzt kampfeslustig. „Hasta la Rabattsperre siempre“, skandiert ein anderer. Tapfer halten sie ihre Protestplakate in die Höhe. Aber mit dem viel zu klein geschriebenen Text können selbst aufgeschlossene Passanten wenig anfangen: „Nur mit einer ausreichenden Vergütung kann der vollversorgende pharmazeutische Großhandel die vom Gesetzgeber vorgeschriebene angemessene und flächendeckende Belieferung der Apotheken mit allen benötigten Arzneimitteln sicherstellen!“

Vor allem wegen der schwarzen Anzüge und den anderen Plakaten mit dem Euro-Zeichen als einziger Botschaft werden die Großhändler wiederholt für Banker gehalten. „Nein, nicht das KONTO, das SKONTO muss weg“, klärt einer der Demonstranten zwei neugierige Senioren aus Dormagen auf. Und er erzählt geduldig, wie der finstere Gesetzgeber die margengebeutelten Großhändler weiterhin dem Wettbewerb aussetzen will. Schutzlose Konzerne gegen erpresserische Kleinunternehmer, das sei doch einfach unfair.

Aber irgendwie will der Funke zum Bürger nicht so recht überspringen. „Die haben alle noch nie vom Handelsspannenausgleich gehört“, beklagt ein Teilnehmer. Ein Apotheker aus der Nachbarschaft hat Mitleid und spendiert den frierenden Demonstranten heiße Zitrone. „Wir sitzen doch alle in einem Boot“, sagt er, zwinkert und geht zurück in seine Apotheke. Gleich kommt die Nachmittagslieferung.

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