Berlin - Noch vor wenigen Jahren war die Noweda außerhalb der Branche niemandem ein Begriff. Mittlerweile hat es der Großhändler aus Essen zur Nummer 2 gebracht – jetzt ist er dabei, sein Tarnkleid abzulegen. Nicht weniger als Edeka für Apotheken soll die Genossenschaft offenbar werden – die Allianz mit Burda ist der erste Schritt. Dass der Apothekenmarkt in Lager gespalten und in seiner Struktur geschwächt wird, ist nach der Logik der Verantwortlichen wohl ohnehin unvermeidlich. Hauptsache Erster sein. Die Angst vor Amazon treibt ihre Blüten, kommentiert Patrick Hollstein.

Jahrelang galt es bei der Noweda als Mantra, dass alle Apotheken gleich zu sein haben: Rotes Apotheken-A, sonst nichts. In Essen predigte man die reine Lehre und verachtete Dachmarken oder Kooperationen als Teufelswerk, als Vorstufe zur Kette sogar. Wer Genosse ist, der braucht keinen anderen Gott, um erfolgreich und glücklich zu sein. Wer mal in Not war, der konnte sich im Zweifel auf die stetig wachsende Marktmacht seiner Noweda verlassen.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass man nun zum Angriff auf die Apotheken Umschau geblasen hat. Viele Apotheker geben das gut gemachte Blatt zwar gerne ab, ärgern sich aber auch darüber, dass ihnen im Grunde keine andere Wahl bleibt. Denn in der TV-Werbung werden ihre Kunden regelmäßig daran erinnert, dass die neue Ausgabe zur Abholung in der Apotheke bereit liegt. Der Groll über diese eigene Machtlosigkeit dürfte auch im Noweda-Lager nicht geringer als bei anderen Kollegen sein.

Insofern wäre das neue Heft, das im kommenden Frühjahr auf den Markt kommen soll, im besten Fall eine Alternative für die Noweda-Mitglieder. Eine, die vielleicht der Neuen Apotheken Illustrierten (NAI) der ABDA-Tochter Avoxa gefährlich werden könnte, aber sicher nicht der Umschau. Auch nicht mit Burda. Jedenfalls nicht auf absehbare Zeit.

Doch der Deal ist um ein Vielfaches größer. Denn parallel zum Heft soll ein Portal an den Start gehen, auf dem Kunden nicht nur Gesundheitsinformationen finden, sondern auch Arzneimittel und Gesundheitsprodukte vorbestellen können. Als „umfassende Initiative zur Stärkung der Apotheken vor Ort“ feiert die Noweda das Konzept, das sicherheitshalber unter dem Superlativ „Zukunftspakt Apotheke“ firmiert.

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