Tretinoin – oxidationsempfindlicher Ausgangsstoff

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Berlin -

Tretinoin, auch Vitamin-A-Säure genannt, kommt in dermalen Rezepturen zum Einsatz. Es kann bei Akne zur Linderung der Hautsymptome oder innerhalb der Anti-Aging-Kosmetik eingesetzt werden. Wichtig: Tretinoin ist verschreibungspflichtig.

Das gelbe Pulver kann innerhalb der Rezeptur als Teil dermaler Zubereitung verschrieben werden. Tretinoin ist meist mikrofein gepulvert verfügbar. Vor der Verarbeitung muss der Arbeitsschutz beachtet werden. So dürfen Schwangere generell keine Rezepturen mit Tretinoin anfertigen. Für alle anderen gilt: Schutzbrille, Maske und Handschuhe. Dabei ist der einfache Mundschutz nicht ausreichend – nur eine FFP-Maske schützt zuverlässig vor dem Stoff. Sollten mehrere Personen gleichzeitig in der Rezeptur arbeiten, so sollten alle Kolleg:innen auf die Verarbeitung hingewiesen werden, sodass auch diese sich schützen können. Die Verwendung von Rezepturkonzentraten senkt die Gefahr einer Staubentwicklung.

Oxidationsempfindlich schon im Standgefäß

Tretinoin ist die oxidierte Form von Vitamin A – also die Vitamin-A-Säure und gehört zu den Retinoiden. Die Strukturformel ist ungesättigt und darin liegt das Problem: Tretinoin gehört zu den oxidationsempfindlichsten Ausgangsstoffen in der Rezeptur. Die Lagerung im Kühlschrank kann den Prozess verlangsamen, jedoch empfehlen nicht alle Anbieter die Lagerung zwischen 2 und 8 °C. Vor der Verarbeitung muss es dann jedoch auf Raumtemperatur gebracht werden. Auch nach der Verarbeitung ist der Stoff oxidationsempfindlich, sodass sich die Abfüllung in Aluminiumtuben anbietet. Diese Primärpackmittel sind licht- und luftundurchlässiger als Drehdosierkruken. Das Inertgas Argon kann den Oxidationsprozess durch den Erhalt einer optimalen Atmosphäre im Gefäß verlangsamen. Innerhalb der BAK-Leitlinien wird dieses Vorgehen empfohlen.

Löslichkeit

Tretinoin ist nahezu unlöslich in Wasser. Auch in lipophilen Verbindungen liegt der Stoff meistens suspendiert vor. Das Stabilitätsoptimum besitzt Vitamin-A-Säure bei pH 5. Bei wasserhaltigen Rezepturen muss immer ein Stabilisator zugesetzt werden. Empfohlen wird die Zugabe von Butylhydroxytoluol (BHT) in einer Konzentration von 0,04 Prozent. In einem ersten Schritt der Herstellung wird der Wirkstoff mit BHT vermengt. Nach mehrmaligem Abschaben kann die restliche Grundlage hinzugefügt werden. Eine Kombination mit anderen Arzneistoffen ist aufgrund der Instabilität des Stoffes nur bedingt möglich. Gut verarbeiten lässt sich Tretinoin mit Vaseline, Basiscreme, hydrophober Basiscreme und der Hypromellose-Haftpaste.

Nicht nur bei Akne kommt Tretinoin zum Einsatz. Auch bei Hyperkeratosen und lichtinduzierter Hautalterung kann der Arzneistoff angewendet werden. In der Haut bewirkt Vitamin-A-Säure eine Auflockerung der Hornschicht. Verstopfte Talgdrüsen werden geöffnet und Entzündungen können abklingen. Darüber hinaus hat der Stoff immunmodulierende Eigenschaften.

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