Rezeptur

PTA genervt von Cannabis-DC Deniz Cicek-Görkem, 09.08.2018 13:57 Uhr

Berlin - Cannabis als Arzneimittel: Für Patienten ein Segen, für Apothekenmitarbeiter manchmal ein Verhängnis. Wenn die Identitätsprüfung nicht klappen will und sich dann noch die abstruse Frage der richtigen Lagerung stellt, liegt es auf der Hand, dass Fertigarzneimittel den besseren Ruf haben. Das kennt PTA Sandra Liehr aus ihrem Apothekenalltag im Berliner Norden nur zu gut. Im aktuellen Fall ging es um die Prüfung eines Cannabis-Vollextraktes von Tilray.

Tilray brachte im vergangenen Oktober sogenannte Vollspektrum-Extrakte auf Basis von Cannabis auf den Markt, die neben den beiden Hauptwirkstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) auch alle weiteren Wirkstoffe der Cannabisblüte, wie beispielsweise Terpene, enthalten. Zu den Neuzugängen gehört der standardisierte Cannabisextrakt „THC25“ mit einem THC-Gehalt von 25 mg/ml. Der CBD-Wert liegt bei diesem Produkt unter 0,5 mg/ml. Außerdem ist das Produkt „THC10:CBD10“ auf dem deutschen Markt, das einen THC- und CBD-Gehalt von 10 mg/ml aufweist. Beide Extrakte sind raffiniert in Traubenkernöl und werden in einer weißen PET-Flasche mit Pipette geliefert. Die Präparate müssen kühl gelagert werden.

Im Gegensatz zu den Blüten der Pflanze, die geraucht oder mittels eines Verdampfers inhaliert werden müssen, sind die Tilray-Produkte für die orale Anwendung gedacht. Die öligen Lösungen sind ein Rezepturarzneimittel, daher muss in der Apotheke eine Identitätsprüfung vorgenommen werden. Das tat auch Liehr, als kürzlich ein Kunde in die Apotheke mit einem Betäubungsmittelrezept über „THC25“ hereinkam.

Da die DAC-Monographie „Eingestelltes, raffiniertes Cannabisölharz“ (C-054) eine Dünnschichtchromatographie (DC) vorschreibt, musste sie Referenz- und Untersuchungslösung, die stationäre Phase und das Fließmittel vorbereiten – aufwendig und zeitintensiv. „Fünfmal hat es nicht mit der DC geklappt“, moniert die junge PTA, die die Analyse gemeinsam mit einer Pharmazeutin im Praktikum durchgeführt hat. Problem: Die Referenzsubstanz der Bionorica-Tochter THC Pharm lief aus irgendeinem Grund nicht. Beim sechsten Mal konnte die DC dann endlich ausgewertet werden.

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