Ehrenamt

PTA im Feuerwehrwagen

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Berlin -

Nina Robel ist eine von den ehrenamtlich engagierten Frauen und Männern, die sich als Angehörige der Arnsberger Freiwilligen Feuerwehr für Menschen in Not einsetzen. Bei Tag und Nacht. Bei Wind und Wetter. Hauptberuflich steht sie allerdings als PTA hinter dem HV-Tisch der Neheimer Park-Apotheke. Sowohl bei ihrem Hobby als auch im Beruf steht für die 33-Jährige der Mensch im Vordergrund.

Robel ist elf Jahre alt, als sie offiziell in die Jugendfeuerwehr in Arnsberg aufgenommen wird. „Eigentlich bin ich aber mit dem Verein aufgewachsen“, erzählt sie. Ihr Vater sei in der Feuerwehr engagiert gewesen und habe sie manchmal mitgenommen. „Wir Kinder haben darauf hingefiebert, endlich in die Jugendfeuerwehr zu kommen“, erinnert sich Robel. Mit 18 Jahren sei sie in den aktiven Dienst übernommen worden. Wenn plötzlich der Melder oder die Sirene geht, eilt sie seitdem zum Einsatz, um Menschen in Not zu helfen. Ehrenamtlich.

„Das Ehrenamt ist sehr wichtig, denn ohne dieses freiwillige Engagement würde vieles in der Gesellschaft nicht funktionieren“, ist Robel überzeugt. „Egal, ob es wie bei mir die Feuerwehr oder in anderen Fällen der Fußballverein, die Alten- oder Behindertenbetreuung ist, sie sind alle auf freiwillige Hilfe angewiesen.“ Einer der vielen Gründe für ihr Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr sei, dass sie – egal ob in der Freizeit oder in ihrem Beruf – sehr gern Menschen helfe. „Es ist überwältigend, die Dankbarkeit und Anerkennung der Leute, die in einer Notsituation waren und ohne unsere Hilfe nicht aus der Gefahr herausgekommen wären, zu erfahren“, erzählt sie.

Viele schwierige Einsätze haben sie und ihre Kameraden seitdem gemeistert. Aber am meisten im Kopf geblieben ist der PTA die Kyrill-Nacht vor zehn Jahren. „In dieser Nacht haben wir sehr vielen Menschen geholfen und sind selber an unsere Belastungsgrenze gegangen“, erinnert sie sich. „Wenn man im Wald ist und vor und hinter einem Bäume fallen und man natürlich nicht weiß, wann und wo der nächste runterkommt, ist es auch psychisch sehr belastend.“ Zu den besonders belastenden Einsätzen würden auch Verkehrsunfälle mit Verletzten und Toten zählen.

Die PTA ist allerdings überzeugt, dass ihr Beruf ihr dabei hilft, nicht nur bei Einsätzen gefasster und ruhiger zu bleiben, sondern auch die psychische Belastung besser zu verarbeiten. „Einige fühlen sich angesichts schwerer Verletzungen oder gar des Todes hilflos“, berichtet sie. „Durch meine Arbeit in der Apotheke erlebe ich viel und muss auch mit persönlichen Schicksalsschlägen der Kunden umgehen können, was mit wachsender Erfahrung natürlich immer besser gelingt.“ Man lerne, in schwierigen Situationen, nicht den Emotionen freien Lauf zu lassen, sondern in erster Linie den Menschen in Not zu helfen. „Erstarren oder in Tränen auszubrechen hilft niemandem“, sagt Robel.

Heute liebt sie ihren Beruf als PTA und kann sich nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Als die Entscheidung, welchen Beruf sie ergreifen soll, anstand, habe sich allerdings nicht einen Gedanken an Apothekenberufe verschwendet. „Ich hatte absolut keine Ahnung, was eine PTA macht“, erinnert sich Robel. „Ich wusste zu dem Zeitpunkt ja nicht einmal, dass es diesen Beruf überhaupt gibt.“ Ihre Mutter habe ihr dann eine PTA-Ausbildung ans Herz gelegt. Ihr stärkstes Argument: Man könne in der Apotheke sehr gut in Teilzeit arbeiten und so Beruf und Familie vereinbaren. Nachdem sie sich über die Aufgaben einer PTA informiert hat, hat sie sich tatsächlich für die Ausbildung entschlossen. „Ich würde das immer wieder machen“, sagt sie.

Auch wenn Robel heute sehr aufgeschlossen und kommunikativ ist, war das nicht immer so. Während der Ausbildung war sie der Auffassung, dass die Arbeit in einer Krankenhausapotheke besser zu ihr passen würde. „Ich war sehr schüchtern und hatte richtig Bammel, Menschen gegenüber zu treten und sie zu beraten“, erinnert sich die 33-Jährige. Jetzt könne sie sich gar nicht vorstellen, ohne den engen und täglichen Kontakt mit Menschen arbeiten zu müssen. Bereits kurz nach dem Mutterschutz hat die junge Mutter samstags hinter dem HV-Tisch der Park-Apotheke gestanden. Zwei Jahre nach der Geburt arbeitete sie wieder in Teilzeit.

Seit zehn Jahren arbeitet Robel in der Park-Apotheke in Neheim. „Obwohl Freiweillige Feuerwehr ein Hobby ist, von dem nicht nur Apotheken-Chefs eigentlich wenig begeistert sein dürften, hatte ich immer Glück“, sagt die PTA. In allen Apotheken, in denen sie beschäftigt war, hätten die Inhaber mit Verständnis reagiert, obwohl die Einsätze unplanbar sind. Jederzeit könnte der Pieper, den die PTA ständig bei sich trägt, losgehen und Robel zum Einsatz verschwinden.

Auch Alexander Karst, der 2014 die Park-Apotheke von seinem Vater übernommen hat, stört das Hobby seiner Mitarbeiterin überhaupt nicht. Im Gegenteil. Er stellt sie gern frei für einen guten Zweck. „Notfälle gehen natürlich immer vor, so dass sich für mich daran auch kein Zweifel ergibt und ergeben wird“, versichert er. Angesichts eines Notfalls sei der Betrieb dann zweitrangig. Ohnehin sei man organisatorisch meist so flexibel und personaltechnisch gut aufgestellt, um Ausfälle jeglicher Art aufzufangen.

Auch viele Kunden wüssten von dem Engagement „ihrer“ PTA und unterstützten sie, auch mal mit persönlichem Einsatz. „Einmal war ich ohne Auto zur Arbeit gekommen“, erinnert sich Robel an eine Begebenheit. „Auf einmal ging die Sirene los.“ Ohne das Auto wäre sie aber nie rechtzeitig zum Einsatz gekommen. Da habe ein Kunde, der sich gerade in der Apotheke befand, angeboten, Robel zur Wache zu fahren.

Frauen, die sich in der Feuerwehr engagieren, hätten aber auch durchaus mit Vorurteilen zu kämpfen. „Viele Außenstehende denken, dass Frauen bei der Feuerwehr nur zum Kaffeemachen da sind.“ Auch in der Feuerwehr würden Frauen genau beobachtet, ob sie wirklich mit anpacken können. „Das gilt allerdings auch – vielleicht in einem etwas geringerem Maße – für die männlichen Kollegen“, relativiert die PTA.

Dennoch würden die Aufgaben – wenn es möglich ist – so verteilt, dass jeder die Aufgabe erfüllt, für die er am besten geeignet ist. „Wenn vier starke Männer da sind, die die schwere Pumpe tragen können, dann werde ich als Frau mich nicht darum reißen“, sagt die PTA. „Wenn allerdings Not am Mann ist, dann muss auch ich als Frau alle Aufgaben übernehmen können.“ Lediglich in den Monaten nach der Geburt habe sie aus medizinischen Gründen komplett darauf verzichtet, schwere Sachen zu heben.

Zurzeit besucht die PTA einen Lehrgang zur Truppenführerin. Damit kann sie mehr Verantwortung bei Einsätzen übernehmen. „Die Besatzung eines Einsatzwagens besteht aus neun Menschen, die einem Gruppenführer unterstellt sind“, erklärt sie. „Das Team unterteilt sich wiederum in drei Trupps, die jeweils von Truppenführern angeführt werden.“ Der Lehrgang werde vier Wochenenden dauern. „Dann kann ich für die Samstage in der Apotheke nicht eingeteilt werden“, so die PTA. Bereits freitags müsse sie früher ihren Arbeitsplatz in der Park-Apotheke verlassen. Auch dabei wird sie vom Inhaber unterstützt. „Ich bin sehr dankbar, dass mein Chef mir diese Möglichkeit bietet“, sagt die PTA.

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