Zivilverfahren gegen 1A, Hexal und Mylan

Krebs durch NDMA? Gericht entscheidet über Valsartan-Gutachten APOTHEKE ADHOC, 01.10.2020 14:23 Uhr

Berlin - Wie hoch war die Krebsgefahr durch NDMA-Verunreinigungen in mehreren Sartanen wirklich? Diese Woche treten die drei Hersteller 1A, Hexal und Mylan erstmals wegen des Valsartan-Skandals vor die Richter: Das Landgericht Konstanz muss entscheiden, ob es die Klage des Opferanwalts Heiko Melcher annimmt oder abweist. Melcher fordert in einem Musterverfahren Schadenersatz für seine Mandanten und hofft darauf, dass das Gericht ein Gutachten in Auftrag gibt, dass der Frage nachgeht, inwiefern die NDMA-Verunreinigungen tatsächlich Krebs verursachen konnten – dieses könnte auch über die derzeit betroffenen drei Hersteller hinaus in künftigen Zivilverfahren eine entscheidende Rolle spielen

In Konstanz werden die Weichen für eine wegweisende Entscheidung gestellt: Beim ersten mündlichen Verhandlungstag müssen die drei Generikahersteller – vertreten durch Großkanzleien – und ein Opferanwalt ihre Argumente ausführen, warum verunreinigtes Valsartan die Krebserkrankung einer mittlerweile verstorbenen 80-Jährigen ausgelöst haben kann oder eben nicht. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Richter dazu ein Gutachten in Auftrag geben. „Das Gericht wird nach der mündlichen Verhandlung zu überlegen haben, wie es weitergeht: Ich hoffe, es wird einen Beweisbeschluss geben, sodass die Frage, ob Nitrosamine Gesundheitsschäden verursachen können, sachverständig geklärt wird. Schlimmstenfalls wird die Klage abgewiesen“, erklärt Melcher, der besagte Frau und mehrere andere mutmaßliche Opfer vertritt.

1A, Hexal und Mylan – deren Valsartan sie genommen hatte – weisen die Vorwürfe zurück und führen dazu unter anderem den fortgeschrittenen Stand der Erkrankung ins Feld. „Die Herstellerfirmen argumentieren auch damit, dass das Nierenzellkarzinom der Patientin schon so groß gewesen sei, dass es gar nicht von einem Medikament, das seit 2012 verunreinigt auf dem Markt ist, verursacht worden sein kann“, erklärt Melcher.

Ihre Argumentation haben beide Parteien bereits schriftlich gegenüber dem Gericht ausgeführt: Die Hersteller führen demnach auch weitere Risikofaktoren für die Krebserkrankung ins Feld, die eine Zuordnung zu den Verunreinigungen unmöglich machen würden, darunter vor allem das hohe Alter der Patientin, Bluthochdruck, Übergewicht, Nierenzysten, Tabak- und Alkoholkonsum sowie ein „grundsätzliches Risiko“, an Nierenkrebs zu erkranken. Da andere Gründe für die Erkrankung bestünden, könne kein Kausalitätsbeweis geführt werden.

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