Hämophilie-Präparate treiben Arzneimittelausgaben

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Berlin - Die wiedereingeführte Apothekenpflicht von Hämophilie-Präparaten hat die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Höhe getrieben. Laut der Frühinformation des Deutschen Apothekerverbands (DAV) waren sie im ersten Quartal für fast die Hälfte des Ausgabenwachstums verantwortlich. Die Zahlen des DAV zeigen: Die Coronapandemie hat den Arzneimittelmarkt weiterhin fest im Griff.

Der Trend zu höheren Kosten bei weniger Verordnungen hält unvermindert an: Im März sind die für GKV-Arzneimittelausgaben – ohne Impfstoffe – um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, während die Zahl der eingelösten Rezepte um 10 Prozent zurückgegangen ist. Diese Entwicklung sei im Zusammenhang mit Sondereffekten der Corona-Pandemie im letzten Jahr zu betrachten, betont der DAV. Vor dem ersten Lockdown seien im März 2020 zahlreiche Arztbesuche vorgezogen worden und dadurch sowohl Arzneimittelausgaben als auch Rezeptzahl in diesem Monat um 25 beziehungsweise 13,7 Prozent außergewöhnlich stark angestiegen. In den Folgemonaten kam es dann wieder zu deutlichen Rückgängen.

Die Zahlen vom März liegen aber unter dem Durchschnitt des ersten Quartals: Für die ersten drei Monate ergab sich ein durchschnittliches Wachstum der GKV-Arzneimittelausgaben von 4,4 Prozent – und das ist laut DAV ganz wesentlich auf die Gerinnungshemmer zurückzuführen: „Schätzungsweise 2 Prozentpunkte dieses Anstiegs dürften auf hochpreisige Hämophilie-Präparate entfallen, welche seit September 2020 apothekenpflichtig sind.“ Da Kliniken und Ärzte diese Arzneimittel zuvor direkt bei den Herstellern bezogen hatten, sei es seitdem zu einer Kostenverlagerung aus der stationären und ambulanten Versorgung hin zum Arzneimittelbereich öffentliche Apotheke gekommen.

Auch der Rückgang bei den Verordnungen zeigt sich im Quartalsdurchschnitt drastischer als zuletzt: Die Anzahl aller eingelösten GKV-Rezepte verringerte sich von Januar bis März um 13,1 Prozent. Die Impfstoffausgaben der GKV wiederum sind im März 2021 um 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. „Auch hier ist der Basiseffekt des Vorjahres zu berücksichtigen, da im März 2020 die Zahl der Pneumokokken-Impfungen sprunghaft angestiegen war, was insgesamt wiederum zu einem hohen Ausgabenzuwachs in diesem Monat führte“, so der DAV. 43,6 Prozent hatte der Zuwachs damals betragen. Insgesamt sind die GKV-Impfstoffausgaben aber auf Vorjahresniveau: Für das erste Quartal ergibt sich ein Rückgang von 0,4 Prozent.

In den Zahlen sind die Einsparungen der GKV durch Rabattverträge nicht enthalten. Die Einsparvolumina werden quartalsweise von den Kassen gemeldet und vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) veröffentlicht. Für das Jahr 2020 beliefen sich die Einsparungen aus Rabattverträgen laut der vorläufigen Rechnungsergebnissen auf 5 Milliarden Euro – das entspricht ebenfalls in etwa dem Vorjahresniveau.

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