Sachverständigenrat

Gesundheitsweise loben Rx-Versand Lothar Klein, 02.07.2018 15:20 Uhr

Berlin - Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) lehnt ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ab. Daran hat auch das EuGH-Urteil vom 19. Oktober 2016 nichts geändert. In ihrem aktuellen Gutachten plädieren die Wissenschaftler dafür, Apotheken intensiver in die Gesundheitsversorgung einzubeziehen und Apotheken Aufgaben in der Prävention, beim Impfen und in der integrierten Versorgung zu eröffnen.

Das Rx-Versandverbot ist nicht Gegenstand des aktuellen Gutachtens zur „Bedarfsgerechten Steuerung der Gesundheitsversorgung“. Auf Nachfrage erklärte Professor Dr. Eberhard Wille allerdings: „An unserer Meinung hat sich nichts geändert. Wir lehnen ein Verbot ab.“ Wille verwies auf ein früheren Gutachten des SVR. Im Jahr 2014 sprach sich der Rat für eine weitgehende Deregulierung des Apothekenmarktes aus. Der Versandhandel könne gerade in Regionen mit geringer Apothekendichte monopolartige Gefahren bei der Arzneimittelversorgung verhindern, heißt es darin sinngemäß. Außerdem sprachen sich die Wissenschaftler darin für ein begrenztes Dispensierrecht von Ärzten aus und für die Lockerung des Fremd- und Mehrbesitzverbots: Dieses sei ein „Relikt mittelalterlicher Zunftstrukturen“.

Die Aufhebung des Fremd­besitzverbotes und eine völlige oder erweiterte Öffnung des Mehrbesitzes ermöglichten die Bildung von finanzstarken Apothekenketten und damit die Transformation des deutschen Apothekenmarktes von seiner atomistischen in Richtung einer oligo­polisti­schen Struktur. „Die Apotheken können dann durch eine Zentralisierung bestimmter Aufgaben effizienter arbeiten. Die größere Menge an Informationen über ihre Patienten ermöglicht, Arzneimittelrisiken eher zu erkennen und schneller auf diese zu reagieren. Schließlich eröffnen Apothekenketten ein breiteres Betätigungsfeld für Apotheker, die lieber als Angestellte beziehungsweise Teilzeit arbeiten möchten“, hieß es vor vier Jahren.

In einem FAZ-Streitgespräch legte Wille nach dem EuGH-Urteil nach: „Letztlich hilft der Versandhandel bei der Versorgung entlegener Gebiete. Wenn wir den abschaffen, liefen wir vielmehr in Gefahr, die Versorgung zu schwächen. Denn wenn trotz eines Verbotes Apotheken in entlegenen Gebieten schließen müssten, stünde auch der Versandhandel nicht mehr zur Verfügung.“ Wille sieht nicht die Gefahr von Versorgungslücken: Denn auf dem Land sei die Wettbewerbsintensität unter Apotheken vergleichsweise gering, deshalb werde dort mehr Wettbewerb auch kaum zu Schließungen führen. Höher sei der Wettbewerbsdruck dagegen in den gut versorgten Städten. Dort gebe es auch dann kein Versorgungsproblem, wenn Anbieter aus dem Markt gingen. „Die Angst, dass in den strukturschwachen Gebieten die Versorgung gefährdet wird, erscheint mir weitgehend unbegründet“, sagte Wille der FAZ.

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