Iges-Gutachten

Fällt der Rx-Bonus, kommt die OTC-Preisschlacht Lothar Klein, 09.09.2020 12:52 Uhr

Berlin - Werden Rx-Boni verboten, kommt es zu einer Preisschlacht im OTC-Bereich. Dies ist eine der zentralen Aussagen des von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beauftragten Gutachtens zur teilweisen oder vollständigen Aufgabe der Preisbindung: „Eine Senkung ihrer Rabatte auf null verringert dort die Nachfrage im Rx-Bereich und impliziert den Anreiz, Preise im OTC-Bereich zu reduzieren, um den Nachfragerückgang im Rahmen von Bündelkäufen zu begrenzen“, wird die wahrscheinliche Reaktion der EU-Versender beschrieben.

Ein Verbot von Rx-Boni führt laut Gutachten bei Präsenzapotheken „zu einem Nachfrageanstieg im Rx-Bereich“. Verlieren würden sie aber im OTC-Bereich, wenn DocMorris & Co. als Reaktion ihre Preise stark reduzierten, der inländische Versandhandel dem folgen würde und dies einen negativen Effekt auf den Marktanteil der Präsenzapotheken im OTC-Bereich hätte.

Statt die ökonomischen Auswirkungen eines solchen Szenarios zu skizzieren, versteigen sich die Gutachter dann aber auf ein Planspiel, in dem der Versandhandel keine aktive Rolle einnimmt. Zur Erklärung heißt es dazu: „Der Versandhandel wird nicht explizit als ‚strategischer Spieler‘ modelliert, da er nicht auf einzelne Präsenzapotheken reagiert. Veränderungen von Preisen und Rabatten im Versandhandel werden damit als exogen betrachtet.“

Und dann sieht das Ergebnis ganz anders aus: „Da für die Präsenzapotheken der Wettbewerbsdruck durch Rabatte des Versandhandels entfällt, erhöhen sie gemäß dem Modell die Preise für OTC-Arzneimittel um rund ein Viertel. Der Versandhandel passt seine Preise ebenfalls nach oben an. Sowohl Präsenzapotheken als auch der Versandhandel können ihre Gewinne steigern, wobei der Gewinnanstieg für den Versandhandel durch den Wegfall der bislang gewährten Rabatte im Vergleich zur Ausgangssituation höher ausfällt.“ In diesem Szenario steigt der Versandanteil im OTC-Bereich von 20 auf 22 Prozent und der Ertrag um 6 beziehungsweise 35 Prozent.

Die Einführung des eRezepts wird laut Gutachten zwar die „Wartekosten für den Versandhandel“ verringern; weil aber auch die Präsenzapotheken profitieren, gibt es für den Versandhandel kaum Vorteile: „Unter diesen Annahmen ergibt das Modell, dass der Versandhandel seinen Rx-Marktanteil auf 1,4 Prozent steigern kann“, so das Gutachten. Als Reaktion auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch den Versandhandel komme es zu leichten Preissenkungen für OTC-Arzneimittel bei den Präsenzapotheken. „Während der Versandhandel im Zuge der Marktanteilszuwächse seine Gewinne leicht steigern kann, haben die Präsenzapotheken geringfügige Einbußen bei Marktanteilen und Gewinnen.“

Allerdings sehen die Gutachter eine Verschlechterung der Wettbewerbslage für Vor-Ort-Apotheken, falls das Rx-Boni-Verbot nicht kommt. Bestünden bei Einführung des eRezepts zusätzlich Möglichkeiten, begrenzte Rabatte zu gewähren, „wäre mit einem stärkeren Anstieg des Rx-Marktanteils des Versandhandels zu rechnen“. Ohnehin prognostizieren die Gutachter, dass bei weiterer dynamischer Entwicklung des Versandhandels insgesamt „selbst bei einem Boni-Verbot die Marktanteile im Arzneimittel-Versandhandel zunehmen“.

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