Apothekenstärkungsgesetz

Iges-Gutachten: Landapotheken geht es gut Lothar Klein, 09.09.2020 10:35 Uhr

Berlin - Das Apothekensterben findet nicht auf dem Land, sondern in Städten und Gemeinden statt. Zu diesem Schluss kommt das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im vergangenen Herbst beauftragte Gutachten zur teilweisen oder vollständigen Aufgabe der Preisbindung und der Gewährung von Rx-Boni nach ersten Informationen von APOTHEKE ADHOC. Offenbar sehen die Iges/DIW-Gutachter im sogenannten Apothekensterben einen normalen Prozess der Marktbereinigung. Die flächendeckende Arzneimittelversorgung sehen die Gutachter nicht gefährdet.

Die Gutachter haben die wirtschaftliche Situation der Apotheken untersucht. Sie kommen dem Vernehmen nach zu dem Ergebnis, dass die wirtschaftliche Existenzbasis für Landapotheken gesund und daher die flächendeckende Versorgung nicht gefährdet ist. Auch der Anteil des Online-Rx-Handels beunruhigt die Gutachter nicht. Dieser sei seit Jahren bei 1 Prozent stabil. Die meisten Apotheken schließen laut Gutachten in Stadtrandlagen. Dort sei der Wettbewerb besonders intensiv.

Das Gutachten dient unter anderem als Beratungsgrundlage für das Apothekenstärkungsgesetz. Am Freitag findet im Bundestag die 1. Lesung statt. Am 16. September hat der Gesundheitsausschuss dazu eine Anhörung angesetzt. Geladen dazu ist auch IGES-Gutachterin Iris an der Heiden. Die Anhörung wird 90 Minuten dauern und startet um 14 Uhr. Interessant ist die Liste der geladenen Sachverständigen: Neben an der Heiden nimmt auch Rechtsanwalt Dr. Morton Douglas teil. Douglas ist ein Verfechter des Rx-Versandverbotes und hat beispielsweise Pharmaziestudent Benedikt Bühler mit seiner Rx-VV-Petition vor dem Petitionsausschuss des Bundestages vertreten. Allerdings tritt er auch für geringfügige Boni ein – sein Vater hatte in seiner Apotheke in Freiburg selbst den „Douglas-Taler“ etabliert.

Gutachterin an der Heiden wurde bekannt als Mitautorin des 2hm-Gutachtens im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), dass den Apotheken vorrechnete, dass das Honorar drastisch gekürzt werden müsste. Insgesamt wollten die Gutachter rund eine Milliarde Euro beim Apothekenhonorar einsparen. Diese Summe schockte die Apothekerwelt. Als neues und ausreichendes Fixhonorar schlug 2hm damals 5,80 Euro statt 8,35 Euro vor. Denn pro Arzneimittelpackung fielen durchschnittlich nur fünf bis sieben Minuten Beratungszeit an, pro Rezept elf Minuten. Inzwischen arbeitet an der Heiden für das Iges-Institut. Dieses beauftrage Spahn mit einer Analyse zur Auswirkung der Preisbindung auf den Apothekenmarkt. Aus der Anwesenheit an der Heidens lässt sich schließen, dass das Gutachten inzwischen fertiggestellt wurde und in der Anhörung zur Sprache kommen soll.

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APOTHEKE ADHOC Debatte

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