BAH-Mitgliedertagung

„Arabischer Frühling im Gesundheitswesen“

, Uhr
Berlin -

Apotheker und Ärzte verlieren ihre Deutungshoheit, Patienten informieren sich oft eher schlecht als recht im Internet über ihre Symptome und konfrontieren dann das Personal in Offizin und Praxis damit – mal mehr, mal weniger beratungsresistent. Im zunehmend selbstbestimmten Patienten liegen aber auch viele Chancen. Welche, das wurde am Donnerstag bei der Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) diskutiert.

„Wenn wir den Patienten nicht durch die Therapie führen und dabei darauf achten, dass er keinen falschen Schritt macht, dann verlieren wir ihn ans Internet“, ist sich Stefan Fink sicher. Der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes und OTC-Beauftragte der ABDA plädiert dafür, dass Apotheker und Ärzte konsequent ihre Lotsenfunktion im Gesundheitswesen erfüllen. Und diese Lotsenfunktion wird, „so paradox es vielleicht klingt, umso wichtiger, je selbstbestimmter der Patient wird“, pflichtet ihm Dr. Traugott Ullrich bei, Geschäftsführer von Dr. Wilmar Schwabe und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BAH.

Dabei reiche es heute längst nicht mehr, nur die Medikation auf dem Papier zu erläutern: „Auch in der digitalen Welt wird es mit der Patientenakte einen Informationsfriedhof geben“, ist sich Fink sicher. Die Erfahrungen mit dem digitalen Medikationsmanagement ARMIN hätten gezeigt, dass man „viele der wichtigsten Informationen nur erhält, wenn man sich mit dem Patienten zusammensetzt“.

Ob das genug ist, darüber herrscht indes Uneinigkeit. Denn das „paternalisitische Bild vom Patienten“, dem man vorschreiben kann, was zu tun ist, sei ein für allemal vorbei, erwidert Dr. Ivo Grebe, Vizepräsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten. Auch Marktforscher Gerhard Riegl ist sicher: „So wie Patienten bisher in Apotheke und Praxis beraten werden, geht es nicht weiter“, sagt er fordert vor allem mehr Empathie. „Wenn ich Mitarbeiter habe, die wie Roboter arbeiten, muss ich mich nicht wundern, wenn sie durch Roboter ersetzt werden“. Die „Internetfritzen“ würden da rasant aufholen: „Die sammeln jetzt schon mehr Daten als Sie sich jemals merken könnten.“ Deshalb sei „Exzellenz in Menschlichkeit in Zukunft der absolute Wettbewerbsfaktor“.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Umlautprobleme und Botendienstsorge
E-Rezept: Vor- und Nachteile in der Praxis»
Ärzt:innen warnen vor Zwangseinführung
KV Hessen: Resolution gegen das E-Rezept»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»