Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) soll die geplanten Apotheken-Ausschreibungen im Bereich der Parenteralia stoppen. In einem gemeinsamen Brief warnen 13 Onkologen und zwei Dutzend Apotheken vor dramatischen Folgen für die Versorgung der Patientinnen und Patienten.
„Mit brennender Sorge um die Erhaltung der parenteralen Zubereitung und damit der nötigen Versorgung schwerstkranker Patienten (nicht nur) in der Fläche bitten wir Sie um Kenntnisnahme folgender Zeilen“, heißt es in dem Brief. „Sollte es zur Verabschiedung der Gesetzesnovelle ohne entsprechende Änderungen kommen, hat dies massivste Schäden in unserem Gesundheitssystem zur Folge und damit für Gesundheit und Leben aller betroffenen Menschen.“
„Krebstherapie kann nicht an den Billigsten gehen“, so der Appell. Chemo- und Immuntherapien kämen nicht „fertig aus der Packung“, sondern würden für jeden Patienten einzeln in einem Reinraumlabor gemischt – oft erst dann, wenn der Patient schon in der Praxis sitze und die Blutwerte zeigten, dass er die Therapie heute vertrage.
„Rund 250 spezialisierte Apotheken in Deutschland leisten das, meist in wenigen Minuten Entfernung zur Praxis. Das dient den Patienten, ist optimal für deren Versorgung und spart durch die nur so mögliche Vermeidung von Verwürfen von Zubereitungen erhebliche Summen für die Solidargemeinschaft.“
Der Änderungsantrag sehe vor, dass es nur noch einen Anbieter pro Region gebe und der Zuschlag an den billigsten Lieferanten gehe. „Das gab es schon einmal, 2016. Es ist innerhalb von drei Wochen gescheitert: Etliche gravierende (!) Therapie-Fehler wurden verursacht, Krebspatienten saßen ohne Therapie in Wartezimmern, und der Bundestag hat es 2017 mit den Stimmen von Union und SPD wieder verboten.“
Dass jetzt ohne Anhörung der Betroffenen, ohne Folgenabschätzung und ohne neue Begründung ein neuer Anlauf genommen werde, sehen die Ärztinnen und Ärzte und die in der Arbeitsgemeinschaft Parenterale Zubereitungen (Arge Parezu) zusammengeschlossenen Apothekerinnen und Apotheker als Fehler: „Das spart kein Geld, gefährdet Patienten, belastet Praxen und zerstört mittelständische Strukturen, die der kritischen Infrastruktur angehören, sowie die Sicherheit der flächendeckenden Versorgung. Wir bitten und fordern eindringlich, diese Maßnahme aus dem Gesamtpaket zu streichen.“
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