Apothekenreform

ABDA zur AOK-Kritik: „Zynisch den Versorgungsbedarf negiert“ APOTHEKE ADHOC, 03.04.2019 17:32 Uhr

Berlin - Die ABDA will die Kritik von AOK-Chef Martin Litsch nicht auf sich sitzen lassen. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat sich zu Wort gemeldet und wirft der AOK vor, „auf zynische Weise den Versorgungsbedarf ihrer Versicherten“ zu negieren, während sie selbst „im Geld schwimmen“. Litsch hatte Teile des Eckpunktepapiers des Bundesgesundheitsministeriums zur Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung als politisches „Klientelgeschenk“ zum Freikauf vom im Koalitionsvertrag versprochenen Rx-Versandverbot bezeichnet.

Litsch sieht im Eckpunktepaier Licht und Schatten. Einerseits findet er es richtig, dass Not- und Nachtdienste aufgewertet werden sollen, „denn das stärkt das Engagement und die Versorgung in strukturschwachen Gebieten“. Diese Einsicht schätzt Schmidt: „Dass Demografie und Fachkräftemangel durchaus strukturelle Veränderungen für die Zukunft der flächendeckenden Arzneimittelversorgung erfordern, ist offenbar auch für den AOK-Bundesverband nachvollziehbar und unterstützenswert“, so der ABDA-Präsident.

Zwar erkennt Litsch einen Reformbedarf grundsätzlich an, es bleibe aber völlig unklar, warum weitere 100 Millionen Euro für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen an die Apotheker fließen sollten. Das zu lösende Versorgungsproblem, das dem zugrunde liegt, müsse erst noch erfunden werden. Es sei „klar, dass sich die Koalition mit diesem Klientelgeschenk vom Versprechen des Versandhandelsverbots freikauft“.

Der Versandhandel sei „nicht die Ursache dafür, dass es einige Apotheken schwerer haben als andere“, so Litsch. Stattdessen gebe es vielmehr ein Überangebot in der Stadt sowie Fehlanreize bei der Honorierung. „Alle Analysen und Statistiken zeigen, dass die Rede vom akuten Apothekensterben eine Chimäre ist.“ Für Schmidt hingegen ist es „unerklärlich“, warum die AOKn „einerseits den Nacht- und Notdienst stärken wollen, andererseits dem ausländischen Versandhandel das Wort reden, der eben keinen solchen Service anbieten kann“. Und er wird noch deutlicher: „Die AOKn schwimmen im Geld und negieren zugleich auf zynische Weise den Versorgungsbedarf ihrer Versicherten.“

So würden jedes Jahr schätzungsweise 250.000 Patienten bundesweit aufgrund vermeidbarer Medikationsfehler in Krankenhäuser eingewiesen. „Deshalb braucht es endlich einen Anspruch der Patienten auf eine Medikationsanalyse in ihrer Stammapotheke“, so Schmidt. Er verweist darauf, dass eine solche zusätzliche pharmazeutische Dienstleistung bereits mit der AOK Plus in Sachsen und Thüringen als bundesweites Leuchtturmprojekt ARMIN erfolgreich umgesetzt wird. „Leider ist es jedoch Tradition bei den Krankenkassen, Veränderungen bei anderen einzufordern, sich aber selbst dem notwendigen Wandel konsequent zu verweigern.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Redhill: Phase-II/III für Covid-Medikament

Orales Upomostat gegen Sars-CoV-2»

Auch bei Nicht-Diabetikern

Covid-19: Hoher Blutzucker als Risikofaktor»

Traurige Grenze überschritten

Mehr als eine Million Corona-Infektionen in Deutschland»
Markt

Größtenteils gute Ergebnisse

Öko-Test: Babyöle besser Paraffin-frei»

Zyto-Großhandel

Medios übernimmt Cranach»

Angebliche Sicherheitsmängel

eRezept: Datenschutz-Zoff bei eRixa»
Politik

BMG will Praxis-Portal bauen

Spahn plant Staats-Jameda»

Bundesapothekerkammer

Benkert zum neuen BAK-Präsidenten gewählt»

Nordrhein-Westfalen

Systemrelevante Berufe: Düsseldorf baut Appartments»
Internationales

Sputnik-V

Putin bietet russischen Corona-Impfstoff an»

Mit PCR-Tests

Schweiz: Apotheken füttern Corona-Warnapp»

Ebola-Medikament überzeugt nicht

Corona: WHO rät von Remdesivir ab»
Pharmazie

Positive Phase-III-Ergebnisse 

Tezepelumab: Weniger Asthma-Exazerbationen»

Neue Dosierung mit innovativer Galenik

Jorveza: Schmelztablette gegen Speiseröhrenentzündung»

Crispr/Cas als Therapiedurchbruch

Mit der Genschere gegen Krebs»
Panorama

Lockerungen der Kontaktbeschränkungen zum Fest

Modellrechnung zeigt „Weihnachtseffekt” im Pandemieverlauf»

Leukämiekranke in der Pandemie

Stammzellspender verzweifelt gesucht»

 2014 ähnliche Tat vom Fahrer

Auto mit Protest-Botschaft rammt Tor des Kanzleramts»
Apothekenpraxis

Bundesrat winkt durch

Das Apothekenstärkungsgesetz ist verabschiedet»

Bündnis wird erneuert – und ausgebaut

Phoenix/Linda: Allianz gegen Alliance»

adhoc24

Stundenlohn im Impfzentrum / Masken vom Großhandel / Neuer BAK-Präsident »
PTA Live

Verkauf an Laien

Schnelltest von der Tankstelle »

Corona-Massenimpfung

Einsatz in Impfzentren: PTA wären dabei»

Rekonstitution in Impfzentren

Schleswig-Holstein: PTA sollen Corona-Impfungen zubereiten»
Erkältungs-Tipps

Yoga, Meditation & Co.

Wie Entspannung das Immunsystem stärkt»

Wenn der Husten länger dauert

Chronische Bronchitis: Wie Phytotherapie helfen kann»

Tipps und Tricks für die lieben Kleinen

Das Kind ist krank – was tun?»
Magen-Darm & Co.

Gefahren der Pilzsaison

Achtung Pilzvergiftung: Fliegenpilz & Co.»

Fremdkörpergefühl im Hals

Globussyndrom: Auch an den Magen denken»

Trendprodukt Selbsttests

Was können Darmflora-Analysen & Co.?»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Für Verhütung oder Kinderwunsch

Fruchtbare Tage bestimmen – aber wie?»

Von Milchbildung bis Abstillen

Milchfluss: Grundlage für die Stillzeit»

Supplemente in der Schwangerschaft

Folsäure & Jod: Nur die Hälfte ist versorgt»
Medizinisches Cannabis

Identitätsprüfung – What’s next?

Tilray: Neueinführungen für eine erleichterte Herstellung»

Höchstmengen, Herstellung, Dokumentation

Cannabis: Das Wichtigste aus den Gesetzen»

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»
HAUTsache gesund und schön

Gel, Mousse, Lotion oder Tonic?

Die richtige Reinigung ist das A und O der Hautpflege»

Mimikfalten, Krähenfüße & Co.

Hautalterung: Wenn Kollagen und Elastin schwinden»

Mehr als dunkle Flecken

Pigmentstörung: Nicht nur ein Problem des Alters»