Desinfektionsmittel

Isoprop aus dem Schullabor – die Jagd auf Ausgangsstoffe

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Berlin -

Die Kapuziner-Apotheke in Köln möchte – wie die allermeisten Apotheken – möglichst viel Desinfektionsmittel herstellen. Weil aber längst auch die Ausgangsstoffe rar geworden sind, kam aus dem Team ein kreativer Lösungsvorschlag: Warum die Stoffe nicht aus Schulen und Universitäten abfragen – die sind ja jetzt sowieso geschlossen.

In der Kapuziner-Apotheke ist der Bedarf an Desinfektionsmitteln tatsächlich dringend; „Wir beliefen vor allem Arztpraxen und Altenheime“, sagt Inhaber Rainer Schulte. Im Bekanntenkreis seines Teams sei die Thematik Isopropanol-Beschaffung zusammen mit Lehrern verschiedener Schulen besprochen worden.

Daraus entstand die Idee: „In den Schulen lagern noch teilweise große Mengen davon. Können wir für die Handdesinfektionsherstellung darauf zurückgreifen, wenn die Schulen in Nordrhein-Westfalen geschlossen werden?“, so Schulte. Die Bereitschaft der Schulen und auch der Universität in Köln sei vorhanden. „Wir denken in diesem Fall nicht nur an unsere Apotheken, sondern grundsätzlich an die Weitergabe für alle Apotheken“, erklärt der Apotheker.

Zunächst wurde das Gesundheitsamt angefragt. Für die Versorgung der Altenheime, Arztpraxen und besonders eine Pflegeeinrichtung für schwerstkranke Kinder mit Desinfektionsmittel benötige man Isopropanol. Über den Großhandel und die gängigen Direktlieferanten sei der Stoff nur noch schwer zu beziehen. Daher der Vorschlag, nicht benötigtes Isopropanol aus den Schulen zu bekommen, wenn diese jetzt schließen.

Beim Gesundheitsamt war man der Idee gegenüber zwar nicht verschlossen – aber leider gar nicht zuständig. Weil die Lieferkette für die beziehenden Apotheken nicht voll nachvollzogen werden kann, darf der Ausgangsstoff nur als Biozid in Verkehr gebracht werden. Dafür zuständig ist die Bezirksregierung. Die hat eine Prüfung des Falls zugesagt, offenbar ist eine Abstimmung mit dem Ministerium notwendig.

In der Kapuziner-Apotheke herrscht Zuversicht: Schließlich könnten die Apotheken die Ausgangsstoffe auf Gehalt und Identität prüfen und damit Handdesinfektionsmittel als Biozide herstellen. Kontakte zu Lehrern und Schulen im Umfeld bestünden schon. „Es wäre auch ein Signal für den Zusammenhalt in dieser schwierigen Zeit“, ist Schulte überzeugt.

Und so würde man es auch beim Verkauf handhaben: „Wir würden alles zum Selbstkostenpreis abgeben, das Isopropanol aus den Schulen würden wir auch kostenlos weitergeben, quasi als Dienst an der Gesellschaft“, so Schulte.

Noch nicht geklärt ist, wie die Chemikalien von der geschlossenen Schule in die Apotheke gelangen sollen – als Privattransport? Die mit der Kapuziner-Apotheke in Kontakt stehende Chemielehrerin hofft auf pragmatische Lösungen, damit die vorhandenen Substanzen genutzt werden können, wo sie am meisten gebraucht werden. „Es ist ja nicht lebensnotwendig, dass wir irgendein Experiment zeigen.“ Nur für die Reinheit der Substanzen kann sie nicht garantieren, das müsse die Apotheke selbst überprüfen.

Ihre Schule hat selbst keine großen Mengen, die Chemielehrerin hofft aber auf Nachahmer: „Wenn andere Schulen davon erfahren, würde bestimmt eine Welle losgehen“, glaubt die Lehrerin. An den Universitäten lagerten in der Regel größeren Bestände und selbst die Pharmaindustrie könnte ihre Ausgangsstoffe unter Umständen spenden, schlägt sie vor.

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