Erst Blutzuckerentgleisung, dann Demenz?

, Uhr

Berlin - Eine gute Blutzuckerkontrolle ist wichtig und stellt ein wesentliches Ziel der Diabetes-Behandlung dar. Denn starke Schwankungen oder gar Blutzuckerentgleisungen können gefährliche Komplikationen mit sich bringen. Eine Studie liefert nun Hinweise dafür, dass es bei Typ-1-Diabetiker:innen mit behandlungsbedürftigen Hypo- und Hyperglykämien im Alter deutlich häufiger zu Demenzerkrankungen kommt.

Schwankungen des Blutzuckers können verschiedene Symptome auslösen. Neben einer Überzuckerung (Hyperglykämie) kann es auch zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen. Letztere tritt vor allem akut auf und kann dann besonders gefährlich sein, da die Energieversorgung des Körpers gefährdet ist. Eine Hyperglykämie entwickelt sich meist langsamer, ist jedoch nicht weniger riskant.

Bei Blutzuckerentgleisungen können verschiedene Organe Schaden nehmen, darunter auch das Gehirn. Daher kommt es bei Blutzuckerschwankungen oft zu neurologischen Symptomen wie Schwindel, Zittern oder Krampfanfällen. Im Ernstfall drohen sogar Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Da es bei hohen Blutzuckerwerten zu einer erhöhten Osmolarität des Blutes kommt, wird den Hirnzellen Flüssigkeit entzogen, wodurch es zum sogenannten diabetischen Koma kommen kann.

Eine im Fachjournal „Neurology“ vorgesellte Kohortenstudie der Davis School of Medicine in Sacramento konnte nun zeigen, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes, die im Laufe ihrer Erkrankung aufgrund von Hyper- oder Hypoglykämien hospitalisiert wurden, im Alter ein deutlich höheres Risiko für eine Demenzerkrankung besitzen.

Für die Untersuchung wurden die Daten von knapp 3000 Typ-1-Diabetiker:innen mit einem mittleren Alter von 56 Jahren analysiert. 14 Prozent waren in den vorausgegangenen zwei Jahrzehnten wenigstens einmal aufgrund einer schweren Unterzuckerung hospitalisiert worden. Bei zwölf Prozent wurde die Krankenhausbehandlung aufgrund einer Hyperglykämie notwendig. Drei Prozent der Teilnehmer:innen erlitten beide Formen der Blutzuckerentgleisung verbunden mit einer notwendigen Krankenhausbehandlung. Während der Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 6,9 Jahren entwickelten 5,4 Prozent der Patienten eine Demenz.

Das Forscherteam berechnete – nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit – dass Patient:innen mit einer Hypoglykämie in der Vorgeschichte ein um 66 Prozent erhöhtes Risiko für eine Demenz aufwiesen im Vergleich zu Typ-1-Diabetiker:innen ohne schwerwiegende Blutzuckerschwankungen. Bei den Hyperglykämien war das ermittelte Demenz-Risiko sogar mehr als doppelt so hoch. Am meisten gefährdet waren Patient:innen, die beide Not­fälle in der Vorgeschichte hatten: Sie erkrankten später mehr als 6-fach häufiger an einer Demenz. Bezogen auf jeweils 1000 Patientenjahre kam es damit zu 26,5 Fällen bei Hypoglykämien im Vergleich zu 13,2 Fällen pro 1000 Patientenjahren bei komplikationslosem Typ-1-Diabetes. Bei den Hyperglykämien waren es 79,6 Fälle, bei beiden Komplikationen sogar 98,5 Fälle pro 1000 Patientenjahre.

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

eigentlich sollten hier die Kommentare zum Artikel stehen.
Leider funktioneren die Kommentare seit ein paar Tagen nicht mehr für manche Nutzer und Sie scheinen leider zu diesen zu gehören.
Bitte versuchen Sie, alle Cookies von apotheke-adhoc zu löschen. Die Kommentare sollten anschließend wieder angezeigt werden. Eine andere Möglichkeit wäre, einen anderen Browser zu verwenden.
Sollte dies nicht der Fall sein, verwenden Sie bitte unser Kontaktformular und schicken Sie uns Informationen über Ihr Betriebssystem und den verwendeten Browser, damit wir Ihnen weiterhelfen können.

Eine Anleitung, wie Sie Ihre Cookies löschen können, finden Sie z.B. hier.

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Apotheker baut Botendienst massiv aus
Doppeltour als E-Rezept-Vorbereitung»
Herausforderung Taxation
E-Rezepte im Krankenhaus»
Wie soll es funktionieren?
FAQ: Die PTA und das E-Rezept»