Diclofenac: Jeder zehnte Fall kontraindiziert

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Berlin -

Trotz Warnungen und Rote-Hand-Brief wird der Wirkstoff Diclofenac weiterhin zahlreich verordnet. Die Gesamtzahl sinkt, die Anzahl an ausgestellten Rezepten für Risikogruppen bleibt jedoch identisch. Jeder zehnte Patient dürfte aufgrund vorliegender Grunderkrankungen keine Verordnung über Diclofenac erhalten.

Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie informiert aktuell zum Verordnungsverhalten von Diclofenac: Die Gesamtzahl der Verordnungen ist seit 2013 zurückgegangen: Wurden 2012 noch 394 Millionen Tagestherapiedosen (DDD) verordnet, so waren es 2013 nur noch 356 Millionen, das entspricht einem Rückgang von 10 Prozent. 2014 sanken die Zahlen weiter auf 317 Millionen DDD, was erneut einen Rückgang um 10 Prozent entspricht. Im vergangenen Jahr wurden 212 Millionen DDD verordnet.

Obwohl die Verordnungszahlen gleichbleibend rückläufig sind, gehört Diclofenac damit immer noch zu den meistverordneten Schmerzmitteln. Nur Ibuprofen wurde mit 538 Millionen DDD im vergangenen Jahr häufiger verordnet. Kritisch zu sehen sind laut Leibniz-Institut die ausgestellten Verordnungen an Personen aus Risikogruppen: Rund 10 Prozent aller Dicofenac-Verordnungen entfallen auf Patienten, für die dieser Wirkstoff kontraindiziert ist.

Weitere Analysen sind vom Leibniz-Institut geplant. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich ohne weitere Maßnahmen etwas am Verschreibungsverhalten geändert hat. Man muss davon ausgehen, dass es aufgrund dieser Verordnungen zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kam, die vermeidbar gewesen wären, denn es gibt sicherere Alternativen zu Diclofenac“, gibt Professor Dr. Ulrike Haug, Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie, zu bedenken. Weiterhin fügt sie an: „Mehr Aufklärung in Arztpraxen zu den Risiken von Diclofenac, auch bei kurzzeitiger Einnahme und niedrigerer Dosis, erscheint dringend notwendig, ebenso wie Studien, die untersuchen, wie das Verordnungsverhalten in Risikogruppen nachhaltig beeinflusst werden kann.“

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