Borna-Virus: Tödliche Infektionen breiten sich in Deutschland aus | APOTHEKE ADHOC
Viruserkrankungen

Borna-Virus: Tödliche Infektionen breiten sich in Deutschland aus

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Berlin -

Das Borna-Virus kam bisher vor allem bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren vor. Nun kommt es jedoch auch vermehrt beim Menschen zu einer tödlich verlaufenden Enzephalitis durch das Virus. Ab März tritt in Deutschland eine Meldepflicht in Kraft. Zwischen 1999 und 2019 wurden in Bayern insgesamt 14 Erkrankungen dokumentiert. Doch nicht nur dort besteht eine Infektionsgefahr.

Obwohl die Übertragungswege nicht genau erforscht sind, gehen Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) davon aus, dass sich Menschen über den Kontakt mit Ausscheidungen der Spitzmaus anstecken. Da das Virus vermutlich längere Zeit infektiös bleibt, ist kein direkter Kontakt mit den Tieren notwendig, um sich zu infizieren. Die Ansteckung könnte auch über verunreinigte Lebensmittel, Wasser oder das Einatmen von kontaminiertem Staub erfolgen. Ebenso könnte das Virus durch Haustiere wie Katzen und Hunde übertragen werden: Drei der Patienten besaßen Hunde, fünf besaßen Katzen oder hatten anderweitig engen Kontakt zu ihnen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch, Pferd zu Pferd oder Pferd zu Mensch schließen die Virologen nach derzeitigem Erkenntnisstand aus.

Erstmals wurde die Borna-Krankheit 1813 als „Hitzige Kopfkrankheit der Pferde“ beschrieben, 1935 wurde das auslösende Virus identifiziert. Das Virus stört vermutlich das chemische Gleichgewicht der Hirnbotenstoffe und führte damit bei den Tieren zu Symptomen wie Aggressivität, Schreckhaftigkeit, Spasmen, Speicheln und Leerkauen oder Zähneknirschen. Im Endstadium kommt es zu Fieberschüben und unkontrollierten Ruderbewegungen. Seit einiger Zeit wird vermutet, dass sich auch Menschen mit dem Virus infizieren können. 2015 konnten Forscher zeigen, dass das verwandte Bunthörnchen-Bornavirus für mehrere Todesfälle unter Züchtern in Sachsen-Anhalt verantwortlich war – die Patienten waren an einer schweren Enzephalitis gestorben.

Die Forscher untersuchten für die aktuelle Studie das Hirngewebe von allen Personen, die seit 1995 eine Enzephalitis mit wahrscheinlich viraler Ursache aufwiesen: Bei 7 der 56 Patienten konnte RNA des Borna-Virus nachgewiesen werden. Zwei weitere Fälle wurden in München entdeckt. In Deutschland sind den vergangenen beiden Jahrzehnten – zusammen mit fünf früher erkannten Fällen – insgesamt 14 Menschen nachgewiesenermaßen an einer Enzephalitis erkrankt, die durch das Borna-Virus ausgelöst wurde.

In der Studie wurden acht Fälle genauer vorgestellt: Die Erkrankung zeigte sich durch Kopfschmerzen, Fieber und Verwirrtheit, später kamen Gehstörungen, Gedächtnisverluste und Krämpfe hinzu. Schließlich vielen alle acht Patienten ins Koma und starben 16 bis 57 Tage nach der Krankenhausaufnahme. Da viele der insgesamt 14 ermittelten Patienten zunächst wegen einer unklaren Enzephalitis behandelt wurden, könnte es weitere Erkrankungen gegeben haben. Unklar ist, ob die Viren auch weniger schwere Hirnerkrankungen auslösen.

In Deutschland kann man sich auch außerhalb Bayerns mit dem Virus infizieren: Laut RKI zählen auch Regionen in Sachsen-Anhalt und Thüringen zu den Kerngebieten. Weitere riskante Regionen reichen im Norden bis Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, im Osten bis Brandenburg und Sachsen und im Westen bis Hessen und Baden-Württemberg. Alle Risikogebiete decken sich mit dem Ausbreitungsgebiet der Feldspitzmaus. Eine Therapie, die nachgewiesenermaßen effektiv ist, gibt es derzeit nicht. Die bisherigen Patienten waren entweder mit Antibiotika oder antiviralen Medikamenten wie Aciclovir oder Ganciclovir behandelt worden. Vier der Patienten erhielten außerdem Steroide, auch der Einsatz von Cidofovir, Cyclophosphamid oder einem Plasmaaustausch wurde beschrieben. Es wird vermutet, dass Ribavirin und das in Japan zugelassene Favipiravir wirksam sein könnten.

Bereits Anfang der 90er-Jahre hatten Wissenschaftler am RKI über mögliche Bornavirus-Infektionen des Menschen geforscht – allerdings wurde die Arbeit 2005 eingestellt. Trotz jahrelanger Bemühungen habe man keinen belastbaren Hinweis auf eine Gefährdung des Menschen gefunden, hieß es damals. Inzwischen gibt es wieder ein mit Bundesmitteln gefördertes Konsortium, in welchem Wissenschaftler mehrerer deutscher Institutionen unter anderem Infektionswege und Risikogebiete des Virus erforschen. Das BoD-Virus ist verwandt mit den Erregern von Tollwut und Masern.

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